Neujahrstag / Hochfest der Gottesmutter Maria (1.01.19)

Neujahrstag / Hochfest der Gottesmutter Maria 2018


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jos 1, 1-9 Num 6, 22-27 Gal 4, 4-7 Lk 2, 16-21

Josua 1,1-9

Das Land, das ich ihnen gebe… Den Gedanken, der das Volk Israelmeint, auf uns übertragen: „Jede Stätte, auf die eure – das heißt: unsere - Fußsohlen treten werden“, hatGott uns gegeben.
Diesen Grund unter den Füßen bewusst spüren, die Füße langsam aufsetzen und wahrnehmen, dass der Boden mich trägt. Die Erde ist unser Fundament und ein Bild für das Fundament, das Gott uns in diesen Versen anbietet.

Sein Versprechen heißt: so will ich mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sein Angebot lautet: Sei getrost und unverzagt; (…) sei nur getrost und ganz unverzagt… Wir können ohne Angst leben, weil Gott mit uns ist, wie er mit Mose war.
In allen Dingen nach dem Gesetz desMose zu handeln, scheint uns heute ein wenig abwegig – und doch spricht die Bibel immer wieder davon, das Gesetz zu betrachten und zu halten. Ausgeweitet von den 5 Büchern Mose auf die ganze Schrift, erinnert dieser Auftrag an den ersten Psalm… Der Mensch, der Freude hat an der Weisung des Herrn, der über seine Weisung nachsinnt, sie betrachtetbei Tag und bei Nacht, dieser Mensch wird sein wie ein Baum an Wasserbächen. Alles, was er tut, wird ihm wohl gelingen. Ganz ähnlich die Formulierung hier: „Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.“

Was eine Haltung, um ein neues Jahr zu beginnen: getrost und unverzagt das Neue wagen. „Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht“ – auch wenn es einiges an Grauen gibt, was in diesem neuen Jahr auf uns und die Welt zukommt. Schritt für Schritt setzen auf diesem Boden, den uns Gott unter die Füße legt, weil Gott mit uns ist in allem, was wir tun werden.
Wir müssen uns nicht von der Angst leiten lassen, sondern können in Zuversicht unseren Weg anfangen. Wir brauchen uns und anderen nichts zu beweisen, sondern können leben in diesem Augenblick, in diesem Schritt, den unsere Füße jetzt auf festen Grund setzen.

Num 6,22-27

Der aaronitische Segen – ein vertrauter Text und Zuspruch. In fast allen evangelischen Gottesdiensten bildet er den Schluss und begleitet die Gemeinde in ihren Sonntag und Alltag zurück. Wunderschöne Bilder sprechen uns an und wollen uns anrühren: behütet, im Licht, voller Gnade, von Gott angesehen, mit Heil beschenkt…So ein Leben würden wir uns wünschen. Bilder von Heimat oder der Vorstellung von einem paradiesischen Zustand, in dem die menschliche Ur- Sehnsucht gestillt ist.

Segnen heißt auf lateinisch „bene- dicere“, das bedeutet „Gutes sagen“. In unserem Alltag spielt dieses Gutes- Sagen und auch das Segnen viel zu selten eine Rolle. Dabei wäre es keine große Sache, vom Schlecht- Reden zum Gutes- Sagen zu wechseln, vom Jammern zum Segnen. Wir könnten das in unserem Alltag ausprobieren: den Menschen grüßen, der uns entgegenkommt. Dem Gegenüber im Verkehr nicht hinterherschimpfen, sondern etwas Gutes sagen, weil er oder sie es vielleicht gerade besonders nötig hat. Dem Mitarbeiter im Baumarkt oder der Hausärztin ein gutes Wort sagen und es auch so meinen… Das wäre ein toller Vorsatz für das neue Jahr. Ein Vorsatz mit Wirkung, der die Atmosphäre verändert und Menschen froher auseinandergehen lässt.

Gott gibt uns mit Aaron und seinen Söhnen den Auftrag mit, seinen Namen auf die Menschen zu legen, und er sagt zu: „ich werde sie segnen“. Wenn wir also in diesem Jahr oder einfach heute Menschen segnen, Menschen Gutes sagen, dann legt Gott seinen Segen dazu. Auf eine Person, auf eine Begegnung, auf einen Schritt, ein Vorhaben oder eine Aufgabe. An Gottes Segen ist alles gelegen – dieses alte Sprichwort könnte unser Motto sein für 2019.

Gal 4, 4-7

Auf den ersten Blick klingen die Verse fremd und fragwürdig. Der Sohn, der freikauft, damit Knechtschaft zu Sohnschaft wird. Gottes Söhne werden mit Gottes Geist beschenkt, der Gott„Vater“ nennt. Die Frauen kommen da ein wenig zu kurz. Wenn wir aber den Text aus seiner Zeit heraus und in unsere Zeit hineinnehmen, können wir ihn weiter verstehen – gültig für alle Menschen. Wir können statt Sohnschaft „Kindschaft“ sagen und uns an die Beziehung Gottes zu uns Menschen erinnern lassen. Gott macht hier sozusagen einen Vaterschaftstest und erkennt uns als Söhne und Töchter, als seine Kinder und Erben an.
Freigekauft vom Gesetz, sind wir keine Sklavinnen und Sklaven mehr, sondern freie Menschen. Wir können leben in der Freiheit der Kinder Gottes. Aus der puren Unterordnung unter die Gesetze von Natur und Gesellschaft wird eine Freiheit, die einlädt zum Leben.

Mit dem Erbe ist auch eine Verantwortung verbunden. Für die Welt und jedes Lebewesen, das auf ihr wohnt. Aus dem Bewusstsein heraus, dass wir alle zu dieser Welt gehören, dass wir alle ein Recht auf Leben haben, dass wir alle zu dem Gleichgewicht beitragen können, das die Erde am Leben erhält, damit sie uns am Leben erhalten kann. Genauso können wir aber auch Schaden anrichten, können dieses Gleichgewicht zerstören. Dazu müssen wir nicht einmal viel tun. Manchmal reicht es schon, wenn wir nur lange genug nichts tun und zuschauen, wie ein Teich „kippt“ oder bewirtschaftete Flächen ohne jede Pflege verwildern. Achtsamkeit braucht es, um das Erbe „Erde“ zu erhalten und der Welt wieder zu mehr Gesundheit zu verhelfen. Und die Überlegung, auf manches zu verzichten, es einfacher zu versuchen als die Bequemlichkeit es sich wünschen würde. Und die Bereitschaft, anzupacken und zu tun, was nötig ist – in der Freiheit, es tun zu können, auch wenn es anderen scheinbar gleichgültig ist – und zu handeln, wie es Kinder Gottes und Kinder der Erde tun können.

Lk 2,16-21

Ein neugeborenes Kind in einer Futterkrippe, Mutter und Vater daneben – und Fremde, denen von diesem Kind berichtet wurde. Sie sollten es suchen und besuchen.
Düstere Gestalten sind das, die davon erzählen, dass sie zu diesem Kind geschickt wurden. Leute, denen man nicht trauen konnte – damals.Heute gibt es auch viele, die anderen nicht trauen, weil sie anders aussehen, von anderswo kommen, sich anders verhalten und kleiden und reden.Ein ganz neuer Blick auf die Weihnachtsgeschichte.
Die Hirten kehren in ihren Alltag zurück, und alles wird anders, denn sie haben eine besondere Erfahrung gemacht. Sie haben erlebt, dass Gott sie ernst nimmt, mit ihnen spricht,, ihnen einen Auftrag gibt und sie zu diesem Kind der Verheißung schickt. Alles, was ihnen angekündigt wurde, ist geschehen, und sie durften Teil eines Wunders sein – ganz nah dabei, als sich die Welt veränderte. So konnten sie es spüren.

Verstehen konnte das wohl niemand von den Menschen, die die Geburt und das Kind in Bethlehem miterlebt haben, nicht einmal Maria. Sie bewahrte all das Geschehene, die Begegnungen, Eindrücke und Worte in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Manches ist nicht gleich zu verstehen, es braucht Zeit, bis uns aufgeht, was wir da eigentlich erfahren haben.

Vielleicht kann dieser Text am Anfang des Jahres auch eine Anregung sein, dem Geschehen der Weihnacht heute und in unserem Leben eine Chance zu geben. Das Misstrauen nach hinten zu schieben und dem Fremden auch zu trauen. Menschen eine Chance zu geben, die wir noch nicht kennen, die uns aber mit ihrer Erfahrung, ihrer Gottesbegegnung oder dem, was sie für ihr Leben als Auftrag erkannt haben, bereichern könnten.

Das Gotteskind im Stall ist ein Kind der Veränderung, das alles auf den Kopf stellt. Nicht Palast, sondern Stall, nicht Priester, sondern Hirten, nicht Pracht und Glanz, sondern Dreck, Gestank und Dunkelheit. Dieses Kind ist anders, ganz eindeutig, und nicht einfach zu verstehen. Bei seiner Beschneidung bekommt es den Namen, den der Engel genannt hat: Jesus, Jeschua – „Gott rettet“. Die Frage ist nicht, wen Gott rettet, denn hier ist keine Auswahl gemeint, sondern alle. Die Welt wird gerettet, ist gerettet, weil dieses Kind zu ihr gekommen ist. Von Anfang an ist der Name „Gott rettet“ im Spiel. Das Leben dieses Jesus will alle erreichen, drinnen und draußen, die düsteren Gestalten und die Engel, die Neuzugezogenen und die Alteingesessenen,die Flüchtlinge, die ihr Kind in der Fremde zur Welt bringen und bald darauf mit ihm fliehen müssen, damit es am Leben bleiben kann und eine Chance bekommt, seinem Namen gerecht zu werden und die Welt und uns zu retten.

Annette Schulze, Frankenthal