o7.o7.24 – 6. Sonntag nach Trinitatis / 14. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Apg 8,26-39 Ez 1, 28b - 2, 5 2 Kor 12, 7-10 Mk 6, 1b-6

An diesem Sonntag wird auch der Tag des islamischen Neujahrs 1446 n.H. gefeiert.

Ev. Leseordnung: Apg 8,26-39

Dieser Perikope geht die erfolgreiche VerkĂŒndigung des Evangeliums in Samaria voraus. Philippus scheint der richtige Mann zu sein, und es gelingt ihm, die Menschen, die Gott im Heiligtum von Schilo, dem Ort, wo die Bundeslade zuerst aufbewahrt worden war, verehren, fĂŒr Jesus, den Messias, zu begeistern.

Die Faszination des Evangeliums scheint je weiter von Jerusalem entfernt, desto grĂ¶ĂŸer zu sein, was sich in der Begegnung mit dem Äthiopier, dem Schatzmeister der Königin Kandake bewahrheitet.

Impulse:

  • Die Stelle im Jesajabuch (Jes 53,7-8) ĂŒber die Philippus und der Äthiopier ins GesprĂ€ch kommen, gehört zum Zion-Jerusalem-Teil des Prophetenbuches. Hier wird Bezug zum Gottesknecht genommen, der seine Sendung reflektiert, u.a. neben dem Schaf zum Schlachten, auch Licht der Völker zu sein. Das gedemĂŒtigte Jerusalem, die Frau Zion (Jes 54,11-17) zĂ€hlt zu den Knechten Gottes. Nach der BeziehungserklĂ€rung zwischen GOTT und Zion/Jerusalem (Jes 49-54) folgt die Einladung an alle DĂŒrstenden, sich am Wasser der Gottesstadt zu laben und an der Bundesgemeinschaft teilzuhaben.
  • Jes 30 – 35: Der Äthiopier liest laut aus dem Prophetenbuch Jesaja, das er wohl in Form einer Buchrolle in HĂ€nden hielt. Das sich daran anschließende GesprĂ€ch mit Philippus ĂŒber die gelesenen Verse fĂŒhrt zu einem inneren Aha-Moment, einem plötzlichen Bekehrungserlebnis bei dem KĂ€mmerer. Diese lebensverĂ€ndernde Wirkung eines Textes erinnert an die Wirkweise der Bibliotherapie, in der gezielt literarische Texte, das “gestaltete Wort”, eingesetzt werden, um Heilungsprozesse bei seelisch bedingten Leiden zu unterstĂŒtzen. Aus England kommt die Methode des “shared reading”, die mittlerweile auch in Deutschland angeboten wird. Menschen treffen sich und lesen Kurzgeschichten, Gedichte, Romane – gemeinsam und laut. Wort fĂŒr Wort erschließt sich die Gruppe einen Text, plus der sinnlichen Erfahrung der vorlesenden Stimme. Nach dem Lesen tauschen sich die Teilnehmenden aus ĂŒber GefĂŒhle und Assoziationen. “Nimm das Buch als Spiegel, als Schild oder als TĂŒr”, sagt Jane Davis, die GrĂŒnderin von shared reading. In der Kombination von lautem Lesen und GesprĂ€ch erwĂ€chst seelische Widerstandskraft, die beim Gesundwerden hilft.
  • Shared Reading (shared-reading.org)
  • 37-38: Die Taufe im Wasser – Auf der Straße nach SĂŒden Richtung Gaza durchqueren die beiden trockenes Land, WĂŒstengebiet, und so ist der Hinweis auf Wasser keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Vermutlich handelt es sich um eine Oase. Wasser als lebensspendende Kraft auf der einen Seite und auf der anderen Seite als lebensbedrohliche Flutwelle, die alles Leben vernichten kann. Siehe die ExtremregenfĂ€lle in Libyen (Sept.2023 durch Sturm Daniel), in Indien (Okt.2023, Sturzflut) oder die unerwarteten sintflutartigen RegenfĂ€lle in der WĂŒste Nevadas zum Zeitpunkt des Festivals “burning man” (Aug.2023). Diese PhĂ€nomene sind menschengemacht und gehören zu den Begleiterscheinungen des Klimawandels, der uns Menschen zu radikalem Umdenken zwingt.
  • Ein Gedankenexperiment: Die Rolle des Schatzmeisters zĂ€hlt zu den wichtigsten Posten am Hof der Königin Kandake. Somit kommt der Bekehrung dieser Persönlichkeit zum Glauben an Jesus Christus eine tragende Bedeutung fĂŒr die Verbreitung des Evangeliums zu. Als Schatzmeister hat er einen großen Wirkungsradius. Angenommen eine solche Bekehrung wĂŒrde sich im Jahr 2024 ereignen und der deutsche Finanzminister Christian Lindner wĂŒrde erfĂŒllt vom Heiligen Geist einen neuen Maßstab fĂŒr die Verteilung der Gelder ansetzen. Dann gĂ€lte als Bemessungsgrundlage die BedĂŒrftigkeit von Kindern, die unter der Armutsgrenze leben. Dann wĂ€re die EinfĂŒhrung der Vermögenssteuer eine SelbstverstĂ€ndlichkeit angesichts der Schere, die zwischen Reich und Arm immer weiter auseinander geht.

 

Kath. Leseordnung:

1.Lesung: Ez 1, 28b - 2, 5   

Impulse:

  • Symbol Regenbogen: Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich im Symbol des Regenbogens, ein faszinierendes HimmelsphĂ€nomen, das die Menschen seit Urzeiten in ihren alten Geschichten und Mythen als Erscheinung des Heiligen und Göttlichen beschreiben. Viermal findet sich das Bild des Regenbogens in den biblischen Texten. Zum ersten Mal in der Sintflutgeschichte (Genesis 9, 1-15), in der der Regenbogen zum Zeichen des Bundes wird zwischen Gott und allen Menschen. Gott wird in diesem Symbol als Befreier sichtbar, der seinen Bogen in den Himmel setzt, seine Waffen streckt und ihn nicht mehr als Kriegswerkzeug einsetzen wird. Ein zweites Mal wird im Buch Jesus Sirach der Regenbogen beschrieben als Symbol fĂŒr die Schönheit der Schöpfung, vgl. Sirach 43,11f. In Ezechiel 1, 28 taucht der Regenbogen zum dritten Mal auf als wunderbare Erscheinung Gottes, als Symbol fĂŒr Gottes Schönheit, die fĂŒr jeden Menschen auf seine eigene Weise erfahrbar ist. Im Neuen Testament wird der Regenbogen im Buch der Offenbarung des Johannes, im letzten Buch der Bibel, in einer Vision beschrieben. In Offb 10,1f steigt ein Engel mit einem Buch vom Himmel herab, er ist in eine Wolke gehĂŒllt und ĂŒber seinem Kopf wölbt sich ein Regenbogen. In diesem Bild wird Bezug zu Ezechiel genommen. Es zeigt sich ein schillerndes Farbenspiel, das Himmel und Erde verbindet.
  • In alten Bildern wird der Regenbogen mit drei symbolischen Farben gemalt, die einmal die Dreifaltigkeit symbolisieren, und in anderen Deutungen das Blau als Zeichen der Sintflut, Rot als Zeichen des Feuers am Ende der Zeiten und GrĂŒn als Zeichen der Hoffnung auf die neue Erde in Gemeinschaft mit Gott beschreiben.
  • Zahlreiche Organisationen haben den Regenbogen gewĂ€hlt als Zeichen fĂŒr ihre Botschaft, z.B.
  • Greenpeace – der Regenbogen steht fĂŒr die Vision einer grĂŒnen und friedlichen Erde. Nicht nur die Kampagnenschiffe Rainbow Warrior I – III schmĂŒcken Regenbogen in 6 Farben, auch bei allen anderen Aktionen leuchten diese Farben des Regenbogens auf als Symbol fĂŒr den Schutz der Umwelt und der Erde vor Verschmutzung durch den Menschen sowie als Zeichen fĂŒr ein friedliches Zusammenleben ohne Homophobie und Diskriminierung.
  • FĂŒr die LGBTQI-Bewegung ist der Regenbogen (Pride Flag) ein Symbol fĂŒr Vielfalt, Hoffnung und Stolz. Er symbolisiert die Vielfalt der Geschlechter und sexuellen Orientierungen sowie die Vielfalt der Menschen, die diese Community ausmachen. Viele Unternehmen und Organisationen verwenden den Regenbogen in ihren Logos, um in Werbekampagnen ihre SolidaritĂ€t zu bekunden. Der homosexuelle Menschenrechtsaktivist Gilbert Baker entwarf 1978 die Flagge mit ursprĂŒnglich acht Farben, die ihren ersten großen Auftritt bei einer Demonstration fĂŒr die Rechte der Homosexuellen am 25.Juni 1978 in San Francisco hatte. Die Farben stehen dabei fĂŒr unterschiedliche Aspekte des Lebens: Rot fĂŒr das Leben, Orange fĂŒr Heilung, Gelb fĂŒr die Sonne, GrĂŒn fĂŒr die Natur, Dunkelblau fĂŒr Klarheit und Lila fĂŒr die Seele. Die zusĂ€tzlichen Farben Pink, das fĂŒr Sex steht, und Blau, das fĂŒr den Frieden steht, finden sich in manchen Pride-Flag-Variationen.
  • FĂŒr die Friedensbewegung wird der Regenbogen seit 1961 verwendet, als dieses Symbol in Italien zum ersten Mal als Anti-Kriegsflagge mit dem Schriftzug Pace/Frieden eingesetzt wurde. Bei der Farbanordnung ist Violett vor Rot gesetzt.

 

  • Verse 1-2: Die Aufforderung, sich auf die eigenen FĂŒĂŸe zu stellen, ist ein Aufruf zur SelbststĂ€ndigkeit im wahrsten Sinne des Wortes. Gott lĂ€dt ein zum ebenbĂŒrtigen GesprĂ€ch auf Augenhöhe, nicht in unterwĂŒrfiger Haltung auf Knien oder am Boden liegend. Dies impliziert ein Zu-sich-Stehen lernen in Kontakt mit dem Untergrund, mit der Erde, die trĂ€gt. Standfestigkeit und Erdung sind wichtige Haltungen, die ein Abgehobensein verhindern.
  • Seit 20 Jahren gibt es die sogenannten Barfußschuhe, die eine besonders dĂŒnne Sohle ohne Fußbett und Absatz haben. Dank dieser Schuhe bleibt der Kontakt zum Boden spĂŒrbar, ohne dass es zu Verletzungen kommt. Der Mensch, der in diesen Schuhen unterwegs ist, nimmt ĂŒber die FĂŒĂŸe intensiver den Weg wahr, den Untergrund, auf dem er geht. Neben einer besseren Blutzirkulation werden die Sensomotorik und das GleichgewichtsgefĂŒhl verbessert.
  • Barfuß-Gehen als Taulaufen von Pfarrer Kneipp schon vor ĂŒber 100 Jahren empfohlen, findet sein Comeback in Barfußpfaden und in einer wachsenden Zahl von Menschen, die sich ganz von ihrem Schuhwerk verabschiedet haben. Vgl.Wie wird man eigentlich Barfußgeher? - barfussblog.de - alles Möglichkeiten, um zum einen gesĂŒnder zu leben und zum andern, sich als Mensch verbunden zu fĂŒhlen und mit wachen Sinnen unterwegs zu sein. Diese Wachsamkeit oder auch Achtsamkeit braucht es, um den göttlichen Auftrag zu vernehmen, der an jeden Menschen gerichtet ist.

 

2.Lesung: 2 Kor 12, 7-10

Impuls:

  • SchwĂ€che als StĂ€rke - vgl. die japanische Kunst Kintsugi, die lehrt, wie aus Zerbrochenem mittels GoldfĂ€den wieder ein GefĂ€ĂŸ zusammengefĂŒgt werden kann. Auf der symbolischen Ebene kann Kintsugi ermutigen, in BrĂŒchen nicht das Ende zu sehen, sondern sorgfĂ€ltig und behutsam nach Möglichkeiten zu suchen, Teile zusammen zu setzen. Diese Form der Keramikreparatur, die es bereits seit dem 15.Jhd. gibt, ist eine wertvolle Anregung, den eigenen Umgang mit kaputten GegenstĂ€nden zu ĂŒberdenken. Statt wegwerfen reparieren oder die Produktion langlebigerer Produkte einfordern.
  • Andere Beispiele, in denen das vermeintliche Schwache siegt, finden sich in vielen Greenpeace-Aktionen, wenn z.B. ein kleines Schlauchboot gegen riesige WalfĂ€ngerschiffe antritt; oder in mutigen Auftritten von Zivilisten, die sich mit Blumen Soldaten in den Weg stellen; oder iranische Frauen, die ihren Schleier abnehmen und auf die Straße gehen.

Evangelium: Mk 6, 1b-6

Impuls:

  • Festhalten an alten Rollenbildern – dieser Perikope voraus gehen zahlreiche Wunderheilungen, die Jesus in GalilĂ€a an vielen Orten vollbringt sowie etliche Gleichnisreden, in denen seine Botschaft der unbedingten Liebe Gottes sich verbreitet. Trotz dieser Ereignisse und auch trotz seines Auftritts in der Synagoge, der die Menschen in Nazareth in Staunen versetzt, bleibt seine Botschaft wirkungslos. Woran liegt das, was hĂ€lt die Menschen davon zurĂŒck, in ihm den Messias zu sehen? Es hat mit dem Festhalten an dem eigenen Weltbild zu tun. Wenn die Schablone “Sohn von...” und “Bruder von...” auf Jesus angewendet wird, dann ist da kein Raum fĂŒr eine andere Rolle. Die Menschen wollen an dem Altbekannten festhalten, denn etwas anderes zuzulassen, hieße, sich auf VerĂ€nderung einlassen zu mĂŒssen. Diese VerĂ€nderungen scheinen bedrohlich zu wirken. Eine Parallele erleben wir heute im Blick auf den Klimawandel. Die Erkenntnis, dass sich das Klima aufgrund des menschlichen Einflusses radikal verĂ€ndert, was mit fatalen Auswirkungen einhergeht, wird fast von allen Menschen geteilt. Doch trotz all dem Wissen um diesen Klimawandel ist die Bereitschaft, das eigene Verhalten und Handeln zu verĂ€ndern sehr gering.

Karin MĂŒller-Bauer, Bistum Trier

 

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