Trinitatis / Dreifaltigkeitssonntag (16.06.19)

Trinitatis / Dreifaltigkeitssonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2 Kor 13, 11-13 Spr 8, 22-31 Röm 5, 1-5 Joh 16, 12-15

2 Korinther 13,11-13

Ermahnung zur Freude, EinmĂŒtigkeit und Frieden, Gott der Liebe und des Friedens wirkt. Ansichtig in der dreifaltigen Segensformel: Gnade Jesu, Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

SprĂŒche 8,22-31

Die Weisheit spielt vor Gottes Angesicht, und war bereits anwesend vor aller Schöpfung.

Römer 5,1-5

Zugehörigkeit zu Jesus Christus gibt Kraft zum Widerstand, im Erleben dieser Kraft wÀchst Hoffnung. Die Liebe Gottes ist in die Herzen ausgegossen durch den Hl. Geist als Hoffnung der Menschen.

Johannes 16,12-15

Abschiedsrede Jesu nach dem letzten Abendmahl und AnkĂŒndigung der göttlichen Geistkraft (BigS – Bibel in gerechter Sprache), die in direkter Verbindung lebend mit Gott und Jesus, dem Auferstandenen, als Beistand und Wegbegleitung fĂŒr die JĂŒnger*innen zugesagt wird.


Impulse und Hinweise auf Aspekte der Nachhaltigkeit

SprĂŒche 8,22 – 31

In dieser Textstelle kommt die Weisheit selbst zu Wort, die noch vor aller Schöpfung geschaffen wurde. In der HebrĂ€ischen Bibel als schechina (auch ĂŒbersetzt als Einwohnung Gottes, Zelt Gottes unter den Menschen) bezeichnet, zeigt sich eine theologische Weiterentwicklung im jĂŒdischen Gottesbild. Die weibliche Gestalt der Weisheit in symbiotischer Beziehung zu Gott wird zur VerkĂŒnderin der göttlichen Weisheitsordnung an die Menschen. Demnach ist die gesamte Schöpfung durchdrungen von der göttlichen Weisheit, hineingewebt durch die hinter aller Weltordnung stehende Schöpferkraft. Gleichzeitig kommt mit der Weisheit eine neue Leichtigkeit hinzu: das Spiel.
Wenn sich Gott diesen Luxus leistet, Raum fĂŒr das Spielen und die Freude zu schaffen, sollte auch der Mensch sich seiner FĂ€higkeit zum homo ludens ( dem spielenden Mensch) bewusst werden. Im Gegensatz oder als dringend notwendige ErgĂ€nzung zum homo faber oder homo oeconomicus kann der spielende Mensch im selbstgenĂŒgsamen und zweckfreien Tun Erkenntnisse, SinnzusammenhĂ€nge entdecken, die seine schöpferischen FĂ€higkeiten wecken, und sich dabei seiner selbst bewusst werden.
Zunehmend erkennt auch die Welt des Managements die Notwendigkeit spielerischen Tuns, um Energien frei zu setzen fĂŒr kreative Innovationen. Die großen Herausforderungen der Menschheit brauchen Innovationen, und Menschen, die im spielerischen Freiraum Lösungsmöglichkeiten finden.
Die Idee zur Befreiung der Weltmeere von PlastikmĂŒll , siehe unter dem Link: http://oneearthoneocean.com/die-loesung ist ein Beispiel von vielen, wie Menschen aus der Haltung des homo ludens heraus kreative KrĂ€fte frei setzen können zur Rettung unserer Erde und Bewahrung der
Schöpfung.

2 Korinther 13,11-13, Römer 5, 1-5 und Johannes 16,12 – 15

Alle drei Bibelstellen an diesem Dreifaltigkeitssonntag/Trinitatis enthalten eine wesentliche Verstehenshilfe fĂŒr die Metapher der TrinitĂ€t bzw. Dreifaltigkeit. Dieses Bild vom dreieinen Gott gilt als ein geistlicher Paradigmenwechsel mit enormer VerĂ€nderungskraft u.a. auch fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis jedes einzelnen Menschen.
Mit Jesus ist das statische und monarchische Gottesbild ins Wanken geraten, die meist mĂ€nnlichen Weltenherrscher haben ausgedient, die isoliert vom Weltgeschehen die Welt von außen steuern, oder wie Goethe in seinem Proömium sagte: „
was wĂ€r ein Gott, der nur von außen stieße, im Kreis das All am Finger laufen ließe, ihm ziemt’s, die Welt im Innern zu bewegen, Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen, so daß, was in Ihm lebt und webt und ist, nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt
“
Die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit offenbart uns Gott als „die ultimative Beziehung“ (Richard Rohr, Der göttliche Tanz, S.40, adeo-Verlag 2017), der uns mit Jesus zu „
einer dreieinen Lebensweise einlĂ€dt: leben, lieben und miteinander in Beziehung sein
“(s.o.,S.41)
Die drei Personen Gott, Jesus und Heiliger Geist (oder „ruach“ in der weiblichen Variante des hebrĂ€ischen Wortes) sind ein Statement fĂŒr DiversitĂ€t, als das Merkmal der ganzen Schöpfung und als göttliche Absage an jede UniformitĂ€t.
Mit dem Bild „Die Dreifaltigkeit oder Die Gastfreundschaft des Abraham“ von Andrei Roublev, einem russischen Ikonenmaler aus dem 15. Jahrhundert, möchte ich einen Aspekt der Dreifaltigkeit herausgreifen, der nachhaltig wirken kann im Sinne einer gottgewollten Aufwertung jedes Menschen unabhĂ€ngig von seiner Herkunft und seines Glaubens.
An diesem Tisch sitzen drei Engel, einer in der Grundfarbe Gold (Symbol fĂŒr den Vater und steht fĂŒr die FĂŒlle, den Ursprung), einer in der Mitte in Blau gehĂŒllt (Symbol fĂŒr Jesus und steht fĂŒr die Farbe von Meer und Himmel, die einander spiegeln) und einer ganz rechts in GrĂŒn (Symbol fĂŒr den Heiligen Geist und steht fĂŒr die GrĂŒnkraft, die göttliche Lebendigkeit).Zum Betrachter hin gibt es eine Leerstelle, ein rechteckiges Loch. Kunsthistoriker sagen, dort wĂ€re ursprĂŒnglich ein Spiegel angeklebt.
Dies wĂŒrde bedeuten, dass dies der Platz fĂŒr jeden ist, der dieses Bild ansieht, fĂŒr dich und fĂŒr mich.
Es ist die bildgewordene Einladung Gottes an uns, mit ihm Mahl zu halten, uns willkommen zu fĂŒhlen in seiner Tischgemeinschaft.
Dieses selbstverstĂ€ndliche Dazugehören kann uns ermutigen, selber Gastgeber und Gastgeberin zu werden fĂŒr die, die als Fremde in unser Land kommen, fĂŒr die, die einer anderen Religion angehören, fĂŒr die, die einen anderen Lebensstil pflegen
denn sie alle sind Gottes Kinder, Kinder geboren aus der Liebe Gottes.

Dazu ein Gedicht von Meister Eckhart, einem Mystiker aus dem 14.Jdt.:

Willst du wissen,
was im Kern der Dreieinigkeit passiert?
Ich will es dir sagen.
Im Kern der Dreieinigkeit
Lacht der Vater
Und gebiert den Sohn.
Wenn der Vater den Sohn anlacht
und dieser lacht zurĂŒck,
dann bringt das Lachen Lust hervor
und diese Lust schafft Freude
und die Freude gebiert Liebe
und die Liebe erschafft den Heiligen Geist.
Die ganze Dreieinigkeit lacht
Und gebiert uns.

Karin MĂŒller-Bauer, Trier