Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit / 6. Sonntag nach Ostern (2.06.19

Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit / 6. Sonntag nach Ostern


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Eph 3, 14-21 Apg 7, 55-60 Offb 22, 12-14.16-17.20 Joh 17, 20-26

Allgemein

Am Ende der Osterzeit verĂ€ndert sich die Perspektive des Glaubens: Mit der Himmelfahrt Christi tritt die unmittelbare Begegnung mit dem Auferstandenen zurĂŒck hinter seine durch den Heiligen Geist vermittelte PrĂ€senz. Pfingsten steht vor der TĂŒr, die Gemeinschaft der Glaubenden bildet als „Leib Christi“ in untrennbarer geistlich-weltlicher Einheit eine neue BrĂŒcke zwischen Schöpfung und Schöpfer.

Indem die Menschen neue Erkenntnismöglichkeiten ĂŒber Gott gewinnen, wĂ€chst entsprechend auch ihre Verantwortung, Gottes Willen fĂŒr seine Schöpfung umzusetzen. Sie werden hineingenommen in Gottes Liebe und zugleich auf diese verpflichtet. Die Kirche ist Botschafterin, aber auch schon Vorgeschmack der Neuen Schöpfung.

Eph 3, 14-21

Der Einzelne und die Menschheit stehen in einem ambivalenten VerhĂ€ltnis zu Gott. Einerseits hĂ€ngen sie ganz von ihm ab und sind ihm ganz unterworfen, andererseits erschließt er ihnen seine Geheimnisse wie niemandem sonst. Diese Erkenntnis fĂŒhrt uns zur FĂŒlle des Gottes, also zur FĂŒlle des Lebens. Lebensfeindliche Einstellungen und Handlungen sind mit der FĂŒlle des Lebens und also dem Leben aus der FĂŒlle nicht vereinbar. Diese Bestimmung gilt der gesamten Menschheit, sie ist nicht teilbar. Die FĂŒlle des Lebens kann nicht privatisiert und anderen vorenthalten werden. Die Gemeinde muss darauf hinwirken, dass breite Teilhabe möglich ist – auf allen Erdteilen und unter Einschluss kĂŒnftiger Generationen.

Apg 7, 55-60

Gott zu kennen, um seinen Willen zu wissen, kann gefĂ€hrlich sein. Die Menschen verschließen nicht nur ihre Augen und Ohren fĂŒr die Botschaft, sie wenden sich auch gegen die Boten. Trotzdem zu mahnen, das Risiko zu tragen und zugleich den Menschen ihre Lebensfeindlichkeit nicht negativ anzurechnen, ist Nachfolge. Wir sind alle zur Nachfolge geschickt, aber sicher nicht immerzu und zu allem bereit. Es ist wichtig, bei allem Eintreten fĂŒr Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung auch gnĂ€dig mit sich selbst zu sein, wo dieser Einsatz nicht so „begeistert“ erfolgt, wie er es mĂŒsste.

Offb 22, 12-14.16-17.20

Die Heilsverheißungen nutzen viele Bilder aus der Schöpfung: Vom Baum des Lebens ist die Rede, von der Wurzel, vom Morgenstern und dem Wasser des Lebens. Heil verwirklicht sich nicht außerhalb der Schöpfung, sondern indem es sie transformiert. Es ist ein Heil nicht nur fĂŒr die Seelen, sondern fĂŒr den ganzen Menschen und die ganze Welt. Wir sind zu diesem Heil eingeladen („Komm!)“. Das Heil ist jedem angeboten, aber es ist nicht umsonst. Wer Anteil haben will, muss seine „Kleider waschen“, ein Symbol der Umkehr und Reinigung. Die Welt wird nicht durch businessasusual verwandelt, die Transformation erfordert VerĂ€nderungsprozesse auch bei uns. Wir mĂŒssen uns von dem trennen, was uns vom Baum des Lebens trennt. Der Weg dahin fĂŒhrt nicht zurĂŒck durch die alten, verschlossenen Tore des Paradieses. Das Wissen um Gut und Böse kann uns nicht mehr genommen werden. Der Weg zurĂŒck zum Baum des Lebens fĂŒhrt durch das neue, von Gott erst jetzt und fĂŒr uns geöffnete Tor. Zu ihm fĂŒhrt unser Weg des Glaubens, der erst uns verwandelt, damit wir die Welt verwandeln können. Das Tor ist Christus, und durch ihn gelangen wir zum Vater, wenn wir die alten Wege verlassen und uns dem Neuen öffnen.

Joh 17, 20-26

Menschen neigen dazu, sich abzugrenzen. Der Unbekannte, der Fremde, aber selbst der NĂ€chste ist uns oft so fern. IdentitĂ€t erwĂ€chst aus Unterscheidung, aber Unterscheidung kann auch zur VerkrĂŒmmtheit des Menschen in sich selbst fĂŒhren. Das eigene Ich wird zum Maßstab aller Dinge und aus IndividualitĂ€t wird lebensfeindlicher Individualismus, der nicht mehr um die Eingebettetheit des Menschen in die Menschheit und die Schöpfung weiß. Aber Christus ruft uns immer auch zusammen, denn die Gemeinschaft ist der NĂ€hrboden fĂŒr Gottes Liebe. Gottesgemeinschaft ist ohne menschliche Gemeinschaft nicht zu haben. Wo die Kirche nicht „eins“ ist in der Welt, so sie in Nord und SĂŒd und Ost und West nicht gemeinsame Interessen, sondern Eigeninteressen auf Kosten der Geschwister vertritt, steht sie dem Glauben im Weg. Wo sie Einheit zeigt und SolidaritĂ€t, fĂŒr einen gleichberechtigten, fairen Umgang miteinander eintritt, da wird sie selbst zur Botschaft und bringt Menschen zum Glauben, damit immer mehr dazu gehören. So, und nur so verwandelt sie die Menschheit von innen heraus.

Dr. Patrick Roger Schnabel, Berlin

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