21. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis (21.10.18)

Baum Heinrich zgv

21. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jer 29, 1.4-7.10-14 Jes 53, 10-11 Hebr 4, 14-16 Mk 10, 35-45

Eigene Verantwortung und Gnade Gottes. In dieser Spannung leben die Menschen der Bibel damals genauso wie wir heute. Die Frage nach der (besseren) Zukunft richtet sich sowohl an das Handeln Gottes als auch an die Taten der Menschen. Gottes Part ist es, gnädig zu sein, der Part des Menschen ist es, nach Gott zu suchen und in dieser Suche die Welt zu gestalten - egal ob ihm das Spaß macht oder nicht.

Der Sonntag im Kirchenjahr

Den 21. Sonntag nach Trinitatis / den 29. Sonntag nach Ostern gibt es nur, wenn Ostern vor dem 17. April liegt (zwei Mal in drei Jahren). Der Wochenspruch lautet: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21)

In 2018 liegt dieser Sonntag zehn Tage vor dem Reformationsfest der Ev. Kirche und zwei Wochen vor Erntedank. Beide Feste laden zum Innehalten und Reflektieren ein. Die Verantwortung für Leib und Seele kommt in den Blick. Der vorliegende Sonntag beschäftigt sich mit den Lebensentwürfen der Menschen im Angesicht Gottes.

Jer 29, 1.4-7.10-14

Baum Heinrich zgv„Suchet der Stadt Bestes“ meint nicht, pickt euch das Beste raus und den Rest werft weg, sondern trachtet nach dem, was das Beste für die ganze Stadt ist. Das ist konzeptionelle Nachhaltigkeit. Und wenn diese Stadt dann auch noch eine feindliche Stadt ist, um so mehr.

Scheitern und Wiederaufbau ist eines der zentralen Lebensthemen des Alten Testaments. Die Gefangenschaft in Babylonien ist die Wiederholung der Geschichte der Menschen mit Gott, wie sie bereits in Ägypten erlebt wurde. Allerdings dauert es diesmal 70 Jahre. Nun gibt Jeremia den Israeliten einen neuen Lebensentwurf mit auf den Weg. Gott wird ihr Schicksal wenden und ihnen Zukunft und Hoffnung geben. Das hat aber eine Bedingung: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“

Wenn Nachhaltigkeit nicht in blindem Aktionismus enden will, braucht sie den Blick auf Gott und die Suche nach ihm. Wenn Gott mich auf meinem Weg begleitet, kann ich schlecht den Kaffeebecher in den Straßengraben werfen oder Schokolade kaufen, deren Kakaobohnen von Kindern an der Elfenbeinküste in Sklavenarbeit geerntet wurden. Mit Gott an meiner Seite ist ein deutlich besseres Benehmen angesagt.

 

Ein Baum (auf Mauritius), der zunächst umgestürzt ist und dann mit drei starken Ästen weiter in den Himmel wächst. Ein Bild für „Zukunft und Hoffnung“ (© I. Heinrich).

 

Jes 53, 10-11

Der Gottesknecht ist in seinem Tun die Nachhaltigkeit selbst. Mit seinem „Schuldopfer“ gelingt Gottes Plan endgültig. Dies impliziert, dass nachhaltiges Handeln bei Gott liegt. Der Mensch kann es nicht schaffen, daher braucht es die Weitsicht Gottes - ebenso wie die Mühe des Gottesknechts.

Die Gefahr dieses Textes besteht darin, dass er keine Motivation bietet, dass wir Menschen nachhaltig leben sollen. Da es uns sowieso nicht gelingt, ist es an Gott, für Rettung zu sorgen.

Peace Heinrich zgv

Die Predigt könnte sich mit dem Thema „Aus der Gnade Gottes leben“ beschäftigen und fragen, welche Auswirkungen diese Gnade auf mein (nachhaltiges) Verhalten im Anschluss an die Rettung durch Gott haben kann.

 

Bild: Garten Gethsemane

Der Ort, an dem Jesus vor seiner Verhaftung gebetet hat, ist ein guter Ausgangspunkt für die Frage, wohin wir diese Welt steuern und wie „Peace“ möglich werden kann. Auch die Verbindung von Jesus zum Motiv des Gottesknechts kann an diesem Bild festgemacht werden (© I. Heinrich).

 

Hebr 4, 14-16

Der Text beschreibt den Menschen als schwach, verführbar und hilfsbedürftig. Dagegen ist der Hohepriester der, durch den der Mensch Gnade und Barmherzigkeit empfängt zur rechten Zeit.

Nachhaltiges Handeln von Menschen auf Erden ist m. E. kein Thema des Textes. Man könnte höchstens über das göttliche Handeln nachdenken; das erscheint mir hier sehr nachhaltig.

Mk 10, 35-45

„Wozu die Mühe?“ Das frage ich mich manchmal angesichts der vielfältigen globalen Probleme, die großteils nicht in meiner Hand liegen. Für die Jünger Jakobus und Johannes ist das Ziel ihres Lebens klar beschreibbar: Sie wollen zur Rechten und zur Linken der Herrlichkeit Jesu sitzen. Das ist doch mal ein Lebensziel!

Leider können sie so viel arbeiten und leiden, wie sie wollen, ihr Wunsch kann ihnen von Jesus nicht erfüllt werden. Und eigentlich wird der Wunsch auch als ethisch bedenklich kommentiert. Denn nur das Dienen ist eine Lebensform, die anzustreben ist, nicht aber das Herrschen und Gewalt antun.

Hier ist für mich die Verbindung zur Nachhaltigkeit: Dienen statt Gewalt antun.
Der Natur dienen, den Menschen dienen, Gott dienen.
Und der Grund für dieses Dienen ist das Dienen Jesu - bis hin zum Verlust seines Lebens.
Die Vorbildfunktion Jesu kann als Motivation für das eigene nachhaltige Handeln fungieren. Fröhlich motivierend ist das aber nicht gerade.

Der Text bringt mich wieder einmal zu dem Schluss, dass sich nachhaltiges Leben nicht sehr lustvoll anfühlt, sondern eher vernünftig. Mit dieser Frustration leben zu lernen, ist eine Aufgabe, die in der Predigt thematisiert werden könnte. Auch die Jünger mussten mit ihrer Frustration umgehen. Warum sollte es uns besser gehen?

Ivonne Heinrich, Hofheim-Diedenbergen