Epiphanias / Erscheinung des Herrn (06.01.15)

Vorschläge der Perikopenrevision (EKD/VELKD/UEK): Mt 2, 1-12;
Eph 3,(1)2-3a.(3b.4)5-6(7);
Jes 60, 1-6; Joh 1, 15-18; Jes 45, 1-8; 2 Kor 4, 3-6 [www.stichwortp.de]

 

Epiphanias / Erscheinung des Herrn

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 2, 1-12 Jes 60, 1-6 Eph 3, 2-3a.5-6 Mt 2, 1-12

 

Die Stellung im Kirchenjahr

In der frühen Kirche wurden beim Epiphaniasfest (Tag der Erscheinung des Herrn) Geburt und Taufe Jesu gefeiert. In den westlichen Kirchen wird ab dem 5 Jahrhundert der 25. Dezember zum Termin der Geburtstagsfeier, die Taufe Jesu ist heute das Proprium des 1. Sonntags nach Epiphanias. Eher denn als „Tag der Erscheinung des Herrn“ wird der 6. Januar daher heute als „Dreikönigstag“ bezeichnet. Das Evangelium des Tages (Mt 2,1-12) erzählt die Geschichte von der Anbetung durch die Könige, Weisen oder Magier (so die wörtliche Übersetzung des griech. „magoi“, dessen Bedeutungsspektrum allerdings eher an Gelehrte denken lässt).

Das Proprium des Tages und der Skopus der Texte

Da Geburt und Taufe auf andere Termine in enger Nähe zum Epiphaniastag „ausgewandert“ sind, steht das Epiphaniasfest heute deutlich unter dem Zeichen des Heiles Gottes für und seiner Herrschaft über alle Völker. Die universale Reichweite der Erscheinung Gottes in Jesus Christus bringt der Apostel in seinen Worten an die Epheser deutlich zum Ausdruck: Jetzt ist offenbart, „dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind“ (v.6).

Auch die Erzählung von der Anbetung durch die drei Weisen hat hier ihren Skopus: Gelehrten und/oder Königen aus dem entfernten Morgenland bleibt die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes nicht verborgen und mit der Anbetung des Jesuskindes erkennen sie dessen Macht und Herrlichkeit an. Die ikonographische Tradition, die in den Sternsingern jedes Jahr lebendig ist, unterstreicht diese Universalität, indem sie die drei Gelehrten unterschiedliche Kulturkreise repräsentieren lässt.

Hinter der Erzählung des Matthäus-Evangeliums steht die alttestamentliche Vorstellung von der endzeitlichen Völkerwallfahrt, wie sie in der ersten Lesung der römisch-katholischen Leseordnung (aber auch in Mi 4,1-5 par Jes 2,2-5) zum Ausdruck kommt: Alle Völker strömen zum Zion und erkennen die Herrschaft Gottes an.

Gedanken zum "nachhaltig Predigen" am Epiphaniastag

In unserer medial vernetzten Welt jagt ein Großereignis das andere. Wer etwas auf sich hält, will dabei sein – und jettet um den Erdball. Manch eine_r versucht vielleicht, die Umweltbelastungen, die dadurch entstehen, durch Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren…

Die Geburt Jesu, die Erscheinung der Herrlichkeit Gottes mitten unter uns Menschen, ist eines der drei Großereignisse unseres Glaubens. Die drei Weisen aus dem Morgenland brauchten sich jedoch keine Gedanken über Klimakompensationsmaßnahmen machen: Wir können davon ausgehen, dass sie sehr lange und sehr genau schon die Sterne beobachtet hatten, bevor sie die Bedeutung dieses Ereignisses erkannt hatten. Ihre Reise wird dann Tage, wenn nicht Wochen gedauert haben – mehr als 1 KS („Kamelstärke“) stand ihnen für ihre Fortbewegung nicht zur Verfügung.

So kann das Epiphaniasfest auch ein Anlass sein, darüber nachzudenken, welche Großereignisse in unserer Welt heute wirklich von Bedeutung sind – und welche wir getrost an uns vorüber gehen lassen können. Damit wir dann die wirklich wichtigen Dinge des Lebens feiern können.

Wolfgang Schürger, München