Pfingstsonntag (20.5.18)

Pfingstsonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Kor 2, 12-16 Vorabend: Gen 11, 1-9 oder Ex 19, 3-8a.16-20b oder Ez 37, 1-14 oder Joel 3, 1-5
Tag: Apg 2, 1-11
Vorab.: Röm 8, 22-27
Tag: 1 Kor 12, 3b-7.12-13 oder Gal 5, 16-25
Vorab.: Joh 7, 37-39
Tag: Joh 20, 19-23 oder Joh 15, 26-27;16,12-15

Oberthema der pfingstlichen Texte ist der Geist,

der weissagt und trÀumen lÀsst und darin alle zu ihrem Recht kommen lÀsst: Alte und Junge, MÀnner und Frauen, Knechte und MÀgde (Joel 3),

der Frieden bringt und Furcht besiegt (Joh 20, 21-23),

der das Ohr öffnet fĂŒr alle Sprachen der Welt und das verstĂ€ndliche Predigen lehrt (Apg 2,1-11),

der Menschen ĂŒber sich hinauswachsen lĂ€sst und zeigt, wes Geistes Kinder sie sind (1. Kor 2,12-16)

Nachhaltig sind diese Texte, denn sie unterbrechen die kurzen KreislĂ€ufe von Angst und Erschrecken, Mutlosigkeit und VerstĂ€ndnislosigkeit – und sie öffnen sie fĂŒr den Geist, der weiter blicken lehrt, der Verstehen schenkt, Frieden und Recht vor sich her treibt. Gottes Geist wird als Atem der Schöpfung beschrieben, der die Welt belebt – und gegen alle ökologische Zerstörung krĂ€ftig wird. Gottes Geist wird als Ansporn fĂŒr Frieden beschrieben, der von Christus ausgeht und in seiner Kirche wirkt. Gottes Geist wird als Inspiration fĂŒr VerstĂ€ndigung beschrieben – ĂŒber die Grenzen von Kulturen, Sprachen und Nationen hinweg.

Wer am Pfingsttag ĂŒber 1. Kor 2, 12-16 zu predigen hat, begegnet einem dieser nachhaltigen Texte. Inwiefern? Paulus blickt in diesen Versen ĂŒber den Tag hinaus und ĂŒber den Tellerrand weltlicher Gesetze hinaus. Er bleibt nicht bei dem haften, was im Moment sichtbar ist. Er glaubt nicht dem, was alternativlos und wirtschaftlich zu sein scheint. Stattdessen spĂŒrt er dem nach, was Gott weise nennt.

Gottes Weisheit ist die Überschrift ĂŒber das zweite Kapitel im 1. Korintherbrief. Paulus definiert sie anhand des Geistes, der in ihr zum Ausdruck kommt. Dieser Geist lehrt unterscheiden und genau hinsehen, urteilen und handeln: Furchtlos und aufmerksam, bedacht und unbeeindruckt von politischem KalkĂŒl. Gottes Geist hallt nach in dieser Welt: Über den Tag hinaus, ĂŒber menschliche KrĂ€fte hinaus, ĂŒber schnelle Erfolge hinaus: Nachhaltig in jeder Beziehung.

Es macht Sinn, im Pfingst-Gottesdienst Lieder und Gebete auszuwÀhlen, die von Gottes Geist singen und etwas von seinen Auswirkungen zum Klingen bringen. In vielen Gemeinden sind in den letzten Jahren Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen angekommen. Pfingsten ist eine gute Gelegenheit, ihre Stimmen und Sprachen zu hören: Das Vaterunser in den Muttersprachen zu beten, die lesungstexte mehrsprachig zu hören, Lieder aus anderen Kulturen zu integrieren.

Anregungen zu einem solchen Pfingstgottesdienst gibt es zum Beispiel im WestfĂ€lschen Heft „Gemeinsam Kirche sein. Gottesdienste mit internationaler Beteiligung“, das unter diesem Link zu finden ist: http://www.moewe-westfalen.de/fileadmin/media/1-AKTUELL/2016-1/EKvW-Materialheft_Gemeinsam_Kirche_sein.pdf

Das Lied „Agios o Theos“ und viele weitere Lieder, Bibeltexte und Gebete finden sich in 6 Sprachen (auch auf Tigrinya und Arabisch) in der BroschĂŒre „Du bist der Gott meiner StĂ€rke“, hg von der Ev.-Lutherischen Landeskirche Hannovers.

Wenn Gott Menschen mit seinem Geist in Bewegung setzt, ist dies immer auch Sendung und Impuls zur Mission. Ein wichtiger aktueller Kontext ist darum auch die neue MissionserklĂ€rung des Ökumenischen Rates der Kirchen: „Gemeinsam fĂŒr das Leben“. Im dritten Absatz heißt es dort:

„Leben im Heiligen Geist ist das Wesen der Mission, der eigentliche Grund, warum wir tun, was wir tun, und wie wir unser Leben leben. Diese SpiritualitĂ€t verleiht unserem Leben eine tiefe Bedeutung und treibt uns zum Handeln an. Sie ist eine heilige Gabe des Schöpfers, die Energie, die uns Kraft gibt, fĂŒr das Leben einzutreten und es zu schĂŒtzen. Missionarische SpiritualitĂ€t hat eine dynamische Transformationskraft, die durch das geistliche Engagement von Menschen in der Lage ist, die Welt durch die Gnade Gottes zu verwandeln. Wie können wir zu einer Mission zurĂŒckfinden, die als transformative SpiritualitĂ€t wirksam wird und fĂŒr das Leben eintritt?“

Und in der Zusammenfassung der ErklĂ€rung heißt es in den AbsĂ€tzen 104 und 105:

104. Wir bekrĂ€ftigen, dass SpiritualitĂ€t die Kraftquelle der Mission ist und dass Mission im Geistverwandelt. Daher suchen wir neue Orientierung in unserem VerstĂ€ndnis von der Beziehung zwischen Mission, SpiritualitĂ€t und Schöpfung. Die missionarische SpiritualitĂ€t, die aus Liturgie und Gottesdienst erwĂ€chst, verbindet uns neu miteinander und mit der ganzen Schöpfung. Wir verstehen, dass unsere Teilnahme an der Mission, unsere Existenz im Schoß der Schöpfung und unser Leben aus dem Geist miteinander verwoben sind, denn sie verĂ€ndern sich gegenseitig. Die Mission, die mit der Schöpfung beginnt, lĂ€dt uns ein, das Leben in all seinen Dimensionen als Gottes Gabe zu feiern.

105. Wir bekrĂ€ftigen, dass die Mission des Geistes Gottes in der Erneuerung der ganzen Schöpfung besteht. „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ (Psalm 24,1). Der Gott des Lebens schĂŒtzt, liebt und bewahrt die Natur. Die Menschheit ist nicht Herr ĂŒber die Erde, sondern trĂ€gt Verantwortung fĂŒr die Bewahrung der Schöpfung. ÜbermĂ€ĂŸige Gier und grenzenloser Konsum, die zur fortschreitenden Zerstörung der Natur fĂŒhren, mĂŒssen ein Ende haben. Gottes Liebe verkĂŒndet die Erlösung der Menschheit nicht getrennt von der Erneuerung der ganzen Schöpfung. Wir sind aufgerufen, an Gottes Mission teilzunehmen und dabei unsere anthropozentrisch verengten Sichtweisen zu ĂŒberwinden. Gottes Mission schließt alles Leben ein und wir mĂŒssen dies sowohl anerkennen als auch neue Wege gehen, um uns in den Dienst dieser Mission zu stellen. Wir bitten Gott um Buße und Vergebung, aber wir rufen auch dazu auf, jetzt zu handeln. Die Schöpfung ist HerzstĂŒck der Mission.

(Gemeinsam fĂŒr das Leben: Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten, ÖRK 2012)

Beate Heßler, Dortmund

Tipp: Speichern Sie diese Predigtanregung als PDF mit einem Klick auf den 'Drucken'-Button rechts unten.