Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit (19.04.20)

Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 40,26-31 Apg 2, 42-47 1 Petr 1, 3-9 Joh 20, 19-31

Der 1. Sonntag nach Ostern ist in der Katholischen Kirche oft „Weißer Sonntag“, also geprĂ€gt von der Erstkommunion, in der Prot. Kirche ist er eher unspektakulĂ€r, noch in den Osterferien, schlecht besucht. Das Leitbild des Sonntags laut der pfĂ€lzischen Agende ist: Wiedergeboren zur Hoffnung, der Auferstandene befreit aus Zweifel, Angst und Schuld.  

Jes 40,26-31

Predigtimpulse

Die prophetischen Texte aus dem Jesajabuch wollen den Menschen Mut machen, weiterhin auf Gott zu vertrauen und im Glauben an Gottes FĂŒhrung und Gegenwart darauf zu hoffen, dass sie eine gute Zukunft haben. Menschen, die die Hoffnung aufgegeben hatten, jemals wieder ihre Heimat zu sehen. Menschen, die das GefĂŒhl hatten, von Gott und der Welt verlassen zu sein. Sie waren schließlich von einer MilitĂ€rmacht verschleppt worden, die damals den ganzen Nahen Osten unter ihre Herrschaft gebracht hatte. Sie sollen ermutigt werden, mehr Weitblick zu haben und nicht aufzugeben. Solch eine Ermutigung tut auch uns oft gut, wenn wir uns mĂŒde und ausgelaugt fĂŒhlen. Wir sehen oft gar nicht, welche wundervollen Möglichkeiten wir hĂ€tten. Wir sind so resigniert oder so gefangen im Alltagstrott, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, unseren Blick nach oben zu richten. Dabei wĂ€re ein Blick zum Himmel manchmal sehr hilfreich. Der Blick nach oben in den Himmel gibt uns eine neue Perspektive, reißt uns los aus der Tiefe und dem Leid des Alltags. Wir brauchen die Gewissheit, dass Gott in unserer NĂ€he ist. Wir mĂŒssen darauf vertrauen können, dass Gott bei uns ist, um wirklich die KrĂ€fte entfalten zu können, die in uns stecken. Wenn uns das gelingt, dann werden wir erleben, dass uns sozusagen FlĂŒgel wachsen. Dass wir ĂŒber uns hinauswachsen können, immer wieder aufs Neue das scheinbar Vergebliche versuchen können. Mit immer neuer Kraft und neuem Mut auf andere zugehen, es immer wieder aufs Neue probieren Gottes Liebe weiterzugeben.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Der Blick zum Sternenhimmel gibt uns ein GefĂŒhl fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe des Universums und lĂ€sst uns Ehrfurcht zu empfinden, weil Gott als die Schöpfungskraft, die hinter allem steckt, doch noch viel grĂ¶ĂŸer sein muss. Da wird die Perspektive verschoben und wir merken, dass wir Menschen uns und unsere Probleme oft sehr ĂŒberschĂ€tzen. Es lĂ€sst demĂŒtig werden und wir können uns selbst begreifen als das, was wir wirklich sind, ein winziger Teil in der großen Schöpfung Gottes, an unseren Platz gestellt, um hier dabei mitzuwirken, dass sei erhalten bleibt, voller Vertrauen darauf, dass uns Gott immer wieder neue Kraft zuwachsen lĂ€sst.
Im Sinne Immanuel Kants: „Zwei Dinge erfĂŒllen das GemĂŒt mit immer grĂ¶ĂŸerer Ehrfurcht: der bestirnte Himmel ĂŒber mir und das moralische Gesetz in mir.“

Apg 2, 42-47

Predigtimpulse

Die Geschichte der Apostelinnen und Apostel richtet sich an verschiedene Gemeinden mit dem Ziel, Hilfestellung zu geben beim Aufbauprozess christlichen Lebens im persönlichen Umfeld und in der Gemeinschaft. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die verheißene gute Botschaft in Jesus erfĂŒllt hat und in den Gemeinden durch die Geisteskraft weiterhin befreiende und verĂ€ndernde Wirkung zeigt. Die Beschreibung der GĂŒtergemeinschaft der Jerusalemer Urgemeinde, die spĂ€ter auch als urchristlicher Kommunismus bezeichnet wurde, scheint, wenn wir den ganzen Zusammenhang lesen, aber auch eher eine Utopie als eine Beschreibung der damaligen RealitĂ€t zu sein. Diese Vision vom Teilen soll uns jedoch ermutigen, es immer wieder zu versuchen, auch wenn es den meisten Menschen schwer fĂ€llt, auf Besitz zu verzichten und auf das Wohl aller bedacht zu sein.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Mehr Gerechtigkeit in der Welt können wir nur erreichen, wenn wir bereit sind auf unsere Privilegien zu verzichten und miteinander zu teilen. Die begrenzten Ressourcen dieser Erde machen das auf Dauer unumgĂ€nglich. Es fĂ€llt uns zugegebenermaßen sehr schwer, unseren Lebensstil zu verĂ€ndern. Wenn wir es aber nicht freiwillig tun, dann werden wir vermutlich irgendwann dazu gezwungen sein, wenn die Rohstoffe knapp werden und durch Klimawandel und Umweltkatastrophen immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen mĂŒssen, um woanders eine Lebensmöglichkeit zu suchen. Schon jetzt ist es nicht mehr akzeptabel, dass wir auf der nördlichen Halbkugel weit ĂŒber unsere VerhĂ€ltnisse und auf Kosten der anderen HĂ€lfte der Welt leben.

Joh 20, 19-31

Predigtimpulse

Zweifel gehören zum Glauben dazu. Sie sind notwendig, damit wir uns klarer werden ĂŒber das, was wir glauben. Wir Menschen sind mit Verstand ausgestattet. Diesen sollen wir doch auch gebrauchen. Deshalb ist es nicht verboten nachzudenken, zu fragen und auch zu zweifeln. Ganz im Gegenteil, Zweifel ist dringend notwendig, denn Zweifel bewahrt uns vor allzu großer Selbstzufriedenheit. Ich kann den zweifelnden Thomas sehr gut verstehen. Er zweifelt, weil er weiß, wie leicht es geschehen kann, dass man sich selbst belĂŒgt. Er zweifelt, weil die Welt eigentlich anders geworden sein mĂŒsste, wenn der Tod wirklich besiegt sein sollte. Alle Erfahrungen von Leid und Tod, die zum Leben dazu gehören, lassen uns doch bezweifeln, dass das Leben tatsĂ€chlich stĂ€rker sein soll als der Tod. Thomas braucht etwas, was ihn spĂŒren lĂ€sst, dass das Leben gesiegt hat. Er muss es mit Leib und Seele erfahren. Er kann sich nicht aufs Hörensagen verlassen. Er fordert mit seinem Zweifel Jesus heraus und macht letztendlich die Erfahrung, dass Jesus wirklich neues Leben gibt. Jesus lebt und das gibt denen, die an ihn glauben neue Kraft und neue Hoffnung.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Der Glaube daran, dass Gott stĂ€rker ist als der Tod, macht uns Mut fĂŒr das Leben zu arbeiten. Wir können das tun, indem wir Zeichen setzen und anderen zeigen, dass wir an die Kraft des Lebens glauben. Wir arbeiten fĂŒr das Leben, wenn wir uns stark machen gegen alles, was das Leben bedroht. Das heißt nicht wegsehen und weghören, sondern aufmerksam machen auf rassistische Vorurteile und auf Gewalt, die Mensch, Tier und Welt angetan wird gegen die GleichgĂŒltigkeit oder das Profitstreben, das rĂŒcksichtslos Menschen und Natur ausbeutet. Wir können probieren Kinder und Jugendliche zu Menschen zu erziehen, die Liebe geben können und die fĂŒr Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung arbeiten werden. Das Vertrauen darauf, dass Gott das Leben ist und uns das wahre Leben geben will, dieses Wissen wird uns die Kraft dafĂŒr geben.

Martina Horak-Werz, Gommersheim