Schwerpunktthema 2015/16 „Heimat-los“

welternaehrung

Heimat-los - Schwerpunktthema Kirchenjahr 2015/2016

Seit Januar 2015, als die Herausgeber der Internetplattform "nachhaltig predigen" beschlossen, "Heimat-los" als Schwerpunktthema im Kirchenjahr 2015/16 zu behandeln, ist die globale FlĂŒchtlingskrise auch weltweit zu einem "Schwerpunktthema" geworden. Alle Begleiterscheinungen von Flucht und Heimatverlust - Not, Hunger, brutale Gewalt, Integration und die Frage nach den komplexen Ursachen - sind auf dramatische Art im Alltagsbewusstsein angekommen. Sie werden dort auf lange Zeit prĂ€sent sein.

welternaehrungEs ist eine Zeit der Reflexion auf die tatsĂ€chliche Situation in dieser Welt, die wir "Schöpfung" nennen, und des Verstehens von Ursachen und ZusammenhĂ€ngen. Wie konnte es so weit kommen? Was hat das - vielleicht - mit uns zu tun, was könnten wir besser machen? Wie können wir aus diesem globalen Drama eine globale Chance entstehen lassen? Welche AnsĂ€tze fĂŒr ein nachhaltiges, weil sozial gerechtes und friedliches Miteinander zeigt uns der Glaube auf - nicht nur der christliche, sondern der tiefe Glaube aller?

Heimat-los - theologisch-praktische Einordnung

Nachhaltig!?

Weihbischof em. Dr. Paul Wehrle machte sich extra fĂŒr "nachhaltig predigen" Gedanken, wie aus christlich-verantwortlicher Sicht und unter Bezugnahme auf das christliche Menschenbild die aktuellen Themen "Heimat" und "Flucht" einzuordnen sind. Er kommt zu dem Schluss, dass unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit auch die Vorgeschichte mit gesehen werden muss. Das Daheimsein - in Land / Region und in der Persönlichkeit - spielen zusammen, und bei genauem Hinsehen tritt auch der Terminus einer Wiedergutmachung in Erscheinung (auch wenn das heute niemand so gerne hört).

KlausBarwig 100Die Rolle der kirchlichen Hilfswerke beleuchtet er u.a. auch vor dem Hintergrund, dass schon vor Jahren versÀumt wurde, auf sie zu hören, als sie die BekÀmpfung der heutigen Fluchtursachen anmahnten. (» zum Text)

Hier angekommen

Klaus Barwig, Bischöflicher Beauftragter seiner Diözese und Berater fĂŒr Migrationsfragen, berichtet von der Vertreibung ChaldĂ€ischer Christen und Zerstörung ihrer 1600 Jahre alten Tradition in Mossul - und einem Neuanfang im Bistum Rottenburg-Stuttgart. In seinem Beitrag erlĂ€utert er eine Auffassung von BrĂŒderlichkeit in Christus, die den Angekommenen Beheimatung, Trost und ein besinnendes Innehalten ermöglicht.
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Heimat ist, wo du dein Geld verdienst!drbassler

caritas-logologo smallKarin Bassler, Leiterin des Arbeitskreises kirchlicher Investoren (AKI), nĂ€hert sich dem Begriff der Heimat auf pragmatischer Ebene. Sie knĂŒpft dabei an dem Brudermörder Kain an - als erstem Heimat-FlĂŒchtling der Bibel - und schlĂ€gt die BrĂŒcke zum "erfrischend praxisnahen Engagement" der Caritas und der Diakonie angesichts der aktuellen Situation in Deutschland. Wichtiger regionaler Partner ist der jeweilige Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA). Die entsprechenden Links sind in ihrem Text angegeben. (» zum Text »)

Fluchtursachen

Sozial gerechtes und friedliches Miteinander - die Forderung stellt auf zwei unterschiedliche Ebenen ab. Die erste Ebene ist die der Integration - viele sind schon vorlĂ€ufig am Ende ihres Wegs angelangt: in Europa, in Ihren BistĂŒmern und Landeskirchen, in Ihren Gemeinden. Die andere Ebene ist die der vorausschauenden Verantwortung fĂŒr soziale Gerechtigkeit und friedliches Miteinander in den globalen Beziehungen. Die zweite Ebene betrachtet die Fluchtursachen: Krieg, Gewalt, tödliche Verfolgung, fehlende Überlebensperspektiven, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Zerstörung von regionalen Existenzgrundlagen durch finanzstarke "global player".

bfdw-logoSeit 15 oder 20 Jahren weisen die kirchlichen Hilfswerke wie Brot fĂŒr die Welt, Misereor und andere auf strukturelle Probleme in Krisenregionen hin. Sie mahnten, dass ohne die Beseitigung dieser Probleme im Rahmen der Entwicklungshilfe völkerwanderungsartige FlĂŒchtlingsströme zu erwarten sind. Wirtschaftliches Vakuum, politisches Vakuum - beides bedeutet existenzielle Bedrohung und Vernichtung. Verfolgung und Gewalt sind Ursachen fĂŒr Flucht, aber was sind die Ursachen von Vorfolgung und Gewalt? UmweltschĂ€den sind eine Ursache von Flucht, aber was sind die Ursachen der UmweltschĂ€den? Wirtschaftliche Not in den Regionen ist eine Fluchtursache, aber was sind die Ursachen der wirtschaftlichen Not?

"Menschen auf der Flucht - Zahlen und Fakten" - ein (nur) vierseitiger Flyer informiert ĂŒber die wichtigsten HintergrĂŒnde (PDF-Datei, 500 kB).

Flucht nach Ägypten (Mt 2, 13-23)

Auch wenn Josef und Maria in Bethlehem Schwierigkeiten hatten, ein Quartier fĂŒr Ihre Übernachtung zu finden - Weihnachten selbst ist keine Flucht- bzw. FlĂŒchtlingsgeschichte. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Geburt unter ungewöhnlichen UmstĂ€nden. Aber die Freude, dass alles trotzdem gut gegangen ist, wĂ€hrte nur kurz. Das Leben der jungen Familie wurde sehr schnell durch Flucht und Gewalt geprĂ€gt. Grausame RealitĂ€t holte sie ein, denn der König ihres Landes befahl, alle mĂ€nnlichen Kleinkinder im Alter von bis zu zwei Jahren zu töten. Dramatische, aber verstĂ€ndliche Reaktion der Eltern: den Machtbereich des Königs verlassen: Flucht

Ursachen

In der gegenwĂ€rtigen FlĂŒchtlingskrise wird zum einen danach gefragt, wie mit den FlĂŒchtlingen und dem so genannten "FlĂŒchtlingsstrom" umzugehen ist. Zweitens wird gefragt, welches die Ursachen sind und wie Ursachen dieses Heimat-los-werdens, des FlĂŒchtens abgebaut werden können. Im Falle von Maria, Josef und ihrem Kind Jesus werden als Fluchtursachen erkennbar:

  • verantwortliche elterliche Sorge fĂŒr das Überleben ihres Kindes, objektiv begrĂŒndete Angst vor einer Gewalttat
  • Angst des Machthabers vor "Kontrollverlust": BedrohungsgefĂŒhl in Verbindung mit ausgeprĂ€gter Gewaltbereitschaft
  • administrative Strukturen, die sicherstellen, dass die Anordnungen eines Machthabers durchgesetzt werden, ohne wirksame gesellschaftliche Kontrolle,
  • eine erahnbare - wenn auch hoch riskante - Überlebensalternative fĂŒr die Familie.

Es sind Parallelen zur Gegenwart erkennbar. Zur Bedrohung durch Verfolgung und körperliche Gewalt kommen im globalen Maßstab UmweltschĂ€digung, existenzielle Not und völlige Perspektivenlosigkeit hinzu.

Weltkirche und Heimat

Viele Kirchen und kirchliche Einrichtungen haben eigene Informationsmaterialien zum Umgang mit der Flucht und mit den Ankommenden erarbeitet und geben auf ihren Internetseiten Hilfestellungen und Anregungen. Der Begriff der Weltkirche entfaltet hier eine besondere Bedeutung. Interessierte können sich - abseits der Meldungen der Tagespresse - auf den Seiten ihrer Landeskirche oder ihres Bistums informieren. Das Internetportal Weltkirche hat einen Bereich "Flucht und Asyl" eingerichtet, in dem ĂŒber ZusammenhĂ€nge und HintergrĂŒnde berichtet wird.

» Seite "Flucht und Asyl" des Internetportals Weltkirche: weltkirche.katholisch.de (dort →Themen →Flucht bild hintergruende partner 150und Asyl)

» Seite "FlĂŒchtlinge" der Evangelischen Kirche in Deutschland: www.ekd.de/themen/fluechtlinge/index.html

» Zentrale Links auf den Internetseiten unserer Partnerdiözesen / -landeskirchen:
www.nachhaltig-predigen.de/dokumente/cmsj/Heimat-los/zentrale-links-flucht-asyl.html

Wie geht es weiter?

In den nÀchsten Wochen wird unser Themenfeld 2015/16 auf "nachhaltig predigen" weiter ausgeleuchtet. Klar ist: Eine global nachhaltige Entwicklung ist nur durch das Bewahren der Schöpfung in Frieden und sozialer Gerechtigkeit möglich.

Die FlĂŒchtlingskrise kann und soll uns die Augen fĂŒr diese Schöpfung öffnen.

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