2. Adventsonntag (10.12.23)

2. Adventsonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Offb 3,7-13 Jes 40, 1-5.9-11 2 Petr 3, 8-14 Mk 1, 1-8

AusgewÀhlte Predigttexte: Offenbarung 3, 7-13 (EKD Reihe), 2. Petr 3, 8-14 (2. Katholische Lesung)

Exegetische Highlights

zu Offenbarung 3:7-13

Was offenbart uns das letzte Buch der Bibel – die Offenbarung? Die Frage ist aber eher nach dem WEN der Offenbarung. Denn dieses Buch beginnt mit den Worten „Offenbarung Jesu Christi" (1, 1), wobei man diese Phrase als ein „Genitivus subjectivus", dass Christus der Offenbarer ist, oder als ein „Genitivus objectivus", dass Christus als der Offenbarte verstanden werden kann. Obwohl beide Optionen exegetisch vertretbar sind, ist die theologische Stoßrichtung der Offenbarung auf den verherrlichten Christus gerichtet. Bereits im 1. Kapitel wird Christus in seiner majestĂ€tischen Erscheinung beschrieben, was an den erhöhten Menschensohn im Propheten Daniel 7 erinnert. Christus beauftragt den Apostel Johannes Sendschreiben an die sieben kleinasiatischen Christengemeinden zu adressieren. Zahlen werden in der Offenbarung symbolisch verstanden, und so steht die Zahl Sieben fĂŒr Vollkommenheit. Diese sieben Gemeinden, an die Johannes die Sendschreiben adressiert, sind somit reprĂ€sentativ fĂŒr alle Gemeinden durch alle Zeiten. In der vorliegenden Passage adressiert Christus die Gemeinde in Philadelphia. Es handelt sich hier um eine von zwei Gemeinden, die Christus nicht tadelt. Stattdessen spricht Christus ein Lob aus. Das, was Christus in der Gemeinde in Philadelphia positiv hervorhebt, ist ihre kleine Kraft und Treue zum Wort Gottes. Deshalb verspricht Christus der Gemeinde, sie vor der Stunde der weltumspannenden Versuchung zu bewahren. Wie in jedem Sendschreiben kommt hier auch eine eschatologische Verheißung vor, nĂ€mlich dass der GlĂ€ubige den Namen Gottes und den Namen des Neuen Jerusalems tragen wird.

zu 2. Petr 3, 8-14

Die Hauptabsicht des 2. Petrusbriefes, der in Zeiten der BedrĂ€ngnis verfasst wurde, ist die StĂ€rkung des Glaubens seiner Adressaten durch die Konzentration ihrer Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi. Im Hinblick auf die großen Verheißungen, die sie durch das Evangelium bereits erhalten haben, spornt der Verfasser die Adressaten zu einem geheiligten und GottgefĂ€lligen Leben an. Aber der Verfasser lenkt den Blick auch auf die Zukunft und verweist auf die eschatologische Hoffnung der Wiederkunft Christi. Christus wird „wie ein Dieb" zu einem unerwarteten Zeitpunkt wiederkommen. Mit seinem Kommen verbindet sich Gottes Gericht, welches die Auflösung der alten Erde mit sich bringt, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu implementieren. Dass die Wiederkunft des Herrn hinausgezögert wird, lĂ€sst sich allein auf Gottes Geduld zurĂŒckfĂŒhren, der Menschen die Gelegenheit zur Umkehr schenkt. Jedoch ist die Wiederkunft Christi absolut gewiss. Anstatt seine Leserschaft zu beunruhigen, soll diese Tatsache dem GlĂ€ubigen Hoffnung schenken, weil dieser neue Himmel und die neue Erde eine neue QualitĂ€t mit sich bringen. Diese Hoffnung soll uns in unserer gegenwĂ€rtigen LebensfĂŒhren anspornen. Damit spannt der Bogen wieder zurĂŒck zu Beginn des Briefes, wo der Verfasser an die Adressaten appelliert, ein heiliges und GottgefĂ€lliges Leben zu fĂŒhren.

Predigtimpulse

Beide Bibelpassagen haben gemeinsam, dass von einer neuen Welt, vom Neuen Jerusalem und von einem neuen Himmel und einer neuen Erde die Rede ist. Sowohl im Buch der Offenbarung als auch im zweiten Petrusbrief soll diese Hoffnung zu einem geheiligten Christenleben anspornen. Leben wir ĂŒberhaupt mit solch einer Ewigkeitsperspektive? Der puritanische Pastor und Theologe, Richard Baxter (1615-1691), der oft unter seinen hĂ€ufigen KrankheitszustĂ€nden litt, fand in seiner Praxis, jeden Tag fĂŒr eine halbe oder ganze Stunde ĂŒber das Himmelreich zu meditieren, eine große Quelle der Kraft und Hoffnung. Über diese Praxis berichtet er in seinem Werk „Mr. Baxter's Dying Thoughts upon Philippians 1:23" . Wer denkt schon gerne ĂŒber sein Ende nach? Lieber verdrĂ€ngen wir Gedanken ĂŒber unser Lebensende und fokussieren uns auf den gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt. Aber der Psalmist vermittelt uns, dass eine Sicht auf unser Ende uns Weisheit im Leben lehren kann: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben mĂŒssen, auf dass wir klug werden" (Psa. 90:12). Wir alle haben nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde, um die Implikationen des Evangeliums in unserem Leben, im Leben anderer Menschen und in dieser Welt umzusetzen. Dabei kommt es nicht darauf an, spektakulĂ€re Dinge fĂŒr Gott zu verrichten, sondern, dass wir wie die Gemeinde in Philadelphia mit der kleinen Kraft die Gott uns zur VerfĂŒgung gestellt hat, Gottes Wort treu bleiben. Martin Luther wird der bekannte Satz: „Wenn ich wĂŒsste, dass morgen die Welt unterginge, wĂŒrde ich heute noch ein ApfelbĂ€umchen pflanzen" zugeschrieben. Mit dieser Zuversicht können wir unser Leben tĂ€glich nach Gottes Willen ausrichten.

Nachhaltigkeitsaspekte

Die eschatologische Hoffnung auf eine neue Erde und einen neuen Himmel bewirkt in Christen keinen Eskapismus, sondern nimmt sie vielmehr in die Pflicht, dass sie sich fĂŒr Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen. So schreibt JĂŒrgen Moltmann: „Das Christentum ist ganz und gar und nicht nur im Anhang Eschatologie, ist Hoffnung, Aussicht, Ausrichtung nach vorne, darum auch Aufbruch und Wandlung der Gegenwart" (JĂŒrgen Moltmann, Theologie der Hoffnung, 1964, S. 12). Die christliche Eschatologie hat somit immer die Umwandlung dieser Erde im Blick. Aus diesem Grund bemĂŒhen wir uns um Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Unsere KrĂ€fte sind zwar begrenzt, aber wie die Gemeinde in Philadelphia kommt es Gott darauf an, dass wir treu mit dem anvertrauten Gut umgehen. Durch unser gemeinsames Engagement können wir ein StĂŒck Himmel bereits auf Erden bringen. Die beiden Passagen sprechen von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Es ist hier nicht die Rede von einem Kosmos oder von einer Utopia, sondern von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Damit unterstreicht die Bibel die KontinuitĂ€t zwischen der irdischen und der noch kommenden Welt, die durch Jesus Christus bereits angebrochen ist und ihre ultimative ErfĂŒllung in der Zukunft erwartet.

Mike K. Lee, DĂŒsseldorf

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