2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis (14.1.18)

2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Kor 2, 1-10 1 Sam 3, 3b-10.19 1 Kor 6, 13c-15a.17-20 Joh 1, 35-42

Der Verfasser betrachtet alle vorgesehen Predigtperikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit, insbesondere zum Jahresthema: „Bedrohte Freiheit“.

In den oben genannten biblischen Texten spiegelt sich das Jahresthema „Bedrohte Freiheit“ in unterschiedlicher Weise, in vielen Facetten. Die Bedrohung der inneren, selbstgedachten Freiheit, durch Gottes Ruf ist bei 1 Sam und bei Jo für mich deutlich spürbar; die Bedrohung der „Meinungsfreiheit“, der Glaubensfreiheit in 1 Kor 2, 1 -10. Paulus gesteht, dass er in Furcht und Angst das Evangelium vom Gekreuzigten verkündet. Eine Herausforderung für die Machthaber. In 1 Kor 6 ff steht die Bedrohung der inneren und äußeren Freiheit eines Menschen, konkret die Ausbeutung des einen durch den anderen im Mittelpunkt.

Stellung im Kirchenjahr

Es handelt sich um den zweiten Sonntag im Jahreskreis, Weihnachten ist vorbei und der Alltag hat wieder begonnen. Die Alltagsfragen holen uns ein. Die Nachrichten aus der nahen und fernen Welt sind real oder auch nicht. Fake News und ihre Bedrohungen werden immer spürbarer. Wir nehmen immer deutlicher wahr, wie unsere vermeintliche Freiheit auf vielen Ebenen bedroht ist und die biblischen Texte haben dazu etwas zu sagen.

1 Kor 2, 1 -10

Exegetische Hinweise

In diesem Abschnitt liefert Paulus so etwas wie eine Theologie der Verkündigung( Verse 1 -5). Er beschreibt sein erstes Auftreten in Korinth.

Assoziationen

Paulus geht es nicht um geschliffene Reden, er achtet nicht darauf, was die Machthaber von seinen Worten halten. Es geht ihm um die Verkündigung des Geheimnisses Gottes. Ihm ist es egal, wie medienwirksam er ist. Paulus weiß, dass er ganz und gar nicht dem Ideal eines Redners oder Verkündigers entspricht. Seine Angst zeigt er und lässt sich dennoch nicht beirren. Heutige Werbestrategen oder auch kirchliche Medienfachleute würden ihn wohl ablehnen, weil er eben genau im Bewusstsein der Schwäche und voller Angst vor seine Zuhörer tritt. Die Bedrohung seiner Verkündigungsfreiheit durch die Machthaber macht ihm Angst, macht ihn aber auch authentisch und stark. Aus der Bedrohung seiner Meinungsfreiheit, aus seiner Schwäche wird seine Stärke. Er verkündet die Weisheit Gottes.

1Sam 3, 3b – 10.19

Exegetische Hinweise    

In 1 Sam 3, 1 – 4,1 findet sich eine Verbindung zwischen der Unheilsansage an das Haus Eli und der Bestellung Samuels als Prophet. 3,1 und 3,19 bis 4,1bilden den Rahmen und die Bestellung des jungen Samuel durch Gott.

Assoziationen

Samuel lebt bei Eli und dient ihm. Er kennt den Herrn noch nicht (V7). Gott ruft ihn drei Mal, greift in sein Leben ein. Wir würden vielleicht sagen, Gott greift in das Leben Samuels ein, bringt es in eine ganz neue Richtung, gibt ihm eine Wendung. Wo bleibt da Samuels Freiheit? Ist dieses Eingreifen Gottes eine Bedrohung der Freiheit? Welcher Freiheit? Mein Leben selber zu gestalten? Man kann es so sehen, man kann aber auch erkennen, dass Gott, den, den er ruft nicht fallen lässt und dass der Rufer, Gott, den Gerufenen begleitet.

1 Kor 6, 13c – 15 a.17 - 20          

Exegetische Hinweise

Wir erhalten in 1 Kor einen Einblick in die entstehende und wachsende Gemeinde und die sie begleitenden Konflikte. In 1 Kor, 6, 12 -20 betrachtet Paulus im Licht der Botschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen das sexuelle Verhalten der Korinther und versucht Stellung zu beziehen.

Assoziationen

In diesem Text wird die Bedrohung der physischen und psychischen menschlichen Freiheit durch andere sehr deutlich. Frauen, Prostituierte, werden benutzt und Paulus macht deutlich, dass jeder Leib, Leib Christi ist. Er wendet sich hier vehement gegen jede Ausbeutung, nicht im Sinne einer bürgerlichen Sexualmoral, sondern ihm ist wichtig: Gott bejaht unsere Leiblichkeit weil wir auferstehen werden. Unser Leib ist für die Ewigkeit in Gottes Liebe bestimmt und es verbietet sich, ihn seiner Freiheit zu berauben, physisch, wie psychisch.

Jo 1, 35 - 42

Exegetische Hinweise

In diesem Abschnitt wird deutlich: Jesus ist der Gerechte und in ihm und durch ihn und mit ihm ist Gott zu finden.

Assoziationen

Die Jüngerberufungen erinnern an die Berufung des jungen Samuel. Besonders die des Petrus.

Auch hier können wir fragen, wird Petrus da nicht seiner inneren Freiheit beraubt, wenn Jesus ihn anblickt und sagt: Du bist…. und du wirst heißen…? Jesus blickte ihn an und erkannte ihn wohl zutiefst. Petrus konnte deshalb seinen vorgeplanten Weg verlassen, seine Freiheit aufgeben, um in eine größere Freiheit einzutauchen.

 Godehard König, Rottenburg