2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis (20.01.19)

2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis (20.01.19)


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Röm 12, 9-16 Jes 62, 1-5 1 Kor 12, 4-11 Joh 2, 1-11

Ich finde drei der vier Texte dieses Sonntags wunderbare grundlegende Texte meines Glaubens.

Mein Leitbild dieses Sonntags: Voller Freude über die Verheißung von Leben in ganzer Fülle können wir unsere von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten nachhaltig einsetzen zum Wohle der ganzen Gesellschaft.

Röm 12, 9-16

Predigtimpulse

Paulus traut der christlichen Gemeinschaft eine Menge zu. Ob wir das überhaupt schaffen können? Da wird so viel von uns erwartet. Wir sollen geschwisterlich miteinander umgehen, uns der Nöte der anderen annehmen und mitfühlend die Sorgen und Freuden der anderen teilen. Paulus lässt nicht gelten, dass da jemand sagt: Ja, aber das können wir doch gar nicht. Er erwartet vielmehr, dass innerhalb der christlichen Gemeinde dem Bösen mit Liebe begegnet werden soll. Sogar über die christliche Gemeinschaft hinaus soll dieses Verhalten wirksam werden. Denn Christinnen und Christen sollen auch die, die sie verfolgen, segnen. Gleichzeitig soll die Gemeinde ihre Türen öffnen und Gastfreundschaft üben. Es reicht auch nicht aus, dass wir ein bestimmtes Verhalten als vernünftig und korrekt erkannt haben. Nein, Paulus fordert, dass wir mit dem ganzen Herzen dabei sind.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Dieser Text ist für mich der grundlegende Text für Nachhaltigkeit überhaupt. Denn hier werden wir ja ganz massiv zur Beharrlichkeit aufgefordert gegen alle Widerstände mit viel Geduld und Ausdauer. Auch wenn uns manchmal der Mut verlassen sollte, weil die Fortschritte so wenig sichtbar sind.

„Freut euch, weil ihr Hoffnung habt. Haltet durch, wenn ihr in Not seid, und hört nicht auf zu beten“ (Vers 12 nach der Bibel in gerechter Sprache)

Die Türen öffnen, das heißt doch auch, Fremde aufnehmen, im Extremfall Kirchenasyl gewähren. Und geschwisterlich Freud und Leid teilen baut Gemeinde auf und wirkt sich nachhaltig positiv auf die Gemeinschaft aus, auch über die Grenzen der christlichen Gemeinde hinweg.

1 Kor 12, 4-11

Predigtimpulse

Mit der Beschreibung von Verschiedenheit, die er in unserem Text liefert, kann Paulus an verschiedene Erfahrungen der Menschen in Korinth anknüpfen. In der Metropole Korinth mit ihren vielen Nationen und Religionen wird Verschiedenheit täglich gelebt. Die junge christliche Gemeinde dort kennt verschiedene Fraktionen und Gruppen. Anhänger des Apollos, des Petrus und des Paulus streiten miteinander über unterschiedliche theologische Ansichten. Arme und Reiche halten Tischgemeinschaft und spüren die sozialen Unterschiede. Männer und Frauen teilen sich den Dienst in der Gemeinde. Und Christinnen und Christen ganz unterschiedlicher Herkunft müssen miteinander auskommen und klären, welche Traditionen sie weiterführen wollen und welche nicht. Da gibt es für die Menschen in Korinth etliche offene Fragen und auch schon manchen Konflikt.

Christinnen und Christen haben unterschiedliche Gaben, unterschiedliche Fähigkeiten und Prägungen. In aller Verschiedenheit sind diese Wirkungen der Gnade und des Geistes Gottes. Sie sind zum Dienst an der Gemeinde bestimmt und ermöglichen der Gemeinde Fülle, Lebendigkeit, Wachstum und Einheit. Nicht immer läuft dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Gaben harmonisch und konfliktfrei ab. Aber auch ernsthafte und respektvolle Auseinandersetzungen gehören dazu und bereichern eine Gemeinschaft. Denn daran wachsen wir und entwickeln uns weiter.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Eine einseitige Globalisierung auf Kosten der ärmeren Mehrheit der Weltbevölkerung kann nicht im Sinne christlicher Überzeugung sein. Als „Global Player“ haben wir Verantwortung zu übernehmen dafür, dass die Globalisierung friedlich und gerecht erfolgt in Respekt gegenüber Gottes Schöpfung. Deshalb ist es wichtig, dass wir mit Christinnen und Christen aus aller Welt zusammenarbeiten, um für eine gerechtere Welt- und Wirtschaftsordnung im Frieden mit anderen Religionen einzutreten. Als weltweite Familie der Menschen, die Christus als ihren Auftraggeber ansehen, wie es Paulus hier sagt, haben wir eine gemeinsame Grundlage und können uns auch verstehen, obwohl wir aus ganz verschiedenen Ländern kommen und unterschiedliche Traditionen haben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Geisteskraft uns immer wieder stärkt, auch unsere ganz persönlichen Talente und Erfahrungen einzubringen in die Gemeinde derer, die an Gott glauben und versuchen, Jesus Christus nachzueifern. Das kann auf ganz unterschiedliche Art geschehen und auch an den unterschiedlichsten Orten, da wo wir eben gerade sind.

Joh 2, 1-11

Predigtimpulse

Die Welt ist nicht wie sie sein sollte. Überall herrscht Mangel und das nicht nur auf materiellem Gebiet. Bei uns geht es den meisten Menschen vom Materiellen her so gut wie noch nie. Und trotzdem fehlt uns oft etwas. Kraft, Lebensfreude, Mut. Andere leiden Mangel an Liebe und Zuwendung. In anderen Teilen der Welt fehlt es den Menschen am Nötigsten.

Maria deckt einen Mangel auf und benennt ihn. Frauen kämpfen oft beharrlich für die Verbesserung der Lebensbedingungen, auch wenn sie zunächst erst einmal abgeschmettert werden, wenn sie einen Mangel benennen.

Das Hochzeitsfest ist ein Symbol für das Reich Gottes. Der Wein steht für die Lebensfreude. Indem Jesus Wasser zu Wein macht, zeigt er, dass Gott Lebensfülle für alle will. Alle sollen teilhaben an Gottes Gaben, alle sollen das Reich Gottes erreichen können.

Unser Leben sei ein Fest ...?

Das Leben kann aber ja nicht immer nur aus Feiern bestehen. Es gibt viel mehr Alltag.

Was bedeutet aber, Leben in ganzer Fülle zu haben?

Das heißt doch bewusst und intensiv zu leben, mit allem, was dazu gehört. Nicht nur monotoner Alltag oder abgestumpft sein, damit mir nichts wehtun kann. Leben in ganzer Fülle heißt Freud und Leid, heißt Glück und Schmerz, Mut und Angst, Erfüllung und Zweifel.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Wenn wir glauben, dass Jesus bei der Hochzeit in Kana zeigen will, dass menschliches Leben gelingen soll, dann kann uns das Mut machen, beharrlich und aufmerksam für das Lebensfest aller Menschen einzutreten. Wir können das tun, indem wir uns für bessere Lebensmöglichkeiten für alle stark machen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Das fängt beim bewussten Einkaufen an und das geht weiter, indem wir aufmerksam werden für die Sorgen und Nöte der Menschen um uns herum.

Bei allem Mangel, den wir manchmal empfinden und genauso wie Maria benennen wollen, sollen wir jedoch nie vergessen, welche Möglichkeiten Gott ebenso für uns bereithält.

Leben in ganzer Fülle heißt nämlich auch, immer wieder einen Vorgeschmack zu bekommen auf das, wie es sein soll, wie Gott die Welt will, das Reich Gottes. Und das dann auch wirklich genießen können. "Wer nicht genießt, wird ungenießbar" (Konstantin Wecker)

Martina Horak-Werz, Gommersheim