23.o6.24 – 4. Sonntag nach Trinitatis / 12. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1. Sam 24,1-20 Ijob 38, 1.8-11 2 Kor 5, 14-17 Mk 4, 35-41

Das Verhalten Davids Saul gegen├╝ber (1. Samuel 24, 1-20) ist beispielhaft f├╝r den Gewaltverzicht, der zur positiven Ver├Ąnderung von Menschen f├╝hren kann. Das f├╝hrt zu einem Frieden, der nachhaltig ist. Das Evangelium von der Sturmstillung (Markus 4, 35-41) zeigt den Weg, wie wir im Vertrauen auf den ┬źAbba┬╗ zu Gelassenheit und Autorit├Ąt finden, die n├Âtig sind, um der Klimakatastrophe furchtlos zu begegnen.

Zur evangelischen Perikope 1. Samuel 24,1-20:

David verschont Saul in der W├╝ste von En-Gedi

Saul und David standen sich als Feinde gegen├╝ber. Nachdem Saul von Gott verworfen worden war, verlor er mehr und mehr seine Macht, w├Ąhrend David, der als neuer K├Ânig gesalbt worden war, aufstieg. An seinem Verhalten werden die Qualit├Ąten eines gerechten K├Ânigs sichtbar.

In der evangelischen Perikopenordnung steht diese Geschichte als Beispiel aus dem Alten Testament f├╝r die Lehre Jesu in Lukas 6,36-42 (aus der Feldrede): Seid barmherzig! Richtet nicht! Arbeitet an euch selbst, bevor ihr die anderen verbessern wollt! In 1. Samuel 24,1-20 verzichtet David darauf, Saul, der ihn verfolgt, zu t├Âten. Als Saul dies h├Ârt und begreift, muss er weinen. Er bereut seinen Hass auf David und w├╝nscht ihm Gutes. Dies passt sehr gut zur Lehre Jesu.

Allerdings verschont David seinen Gegner, weil dieser trotz allem der Gesalbte Gottes ist. F├╝r die heutige Predigt stellt sich die Frage, ob die Ehrfurcht vor dem Gesalbten Gottes auf die Ehrfurcht vor der W├╝rde jedes Menschen ├╝bertragen werden kann. Das kann man biblisch gut begr├╝nden mit Genesis 1,27: Der Mensch, als Mann und Frau, ist als Bild Gottes geschaffen. So gesehen ist 1. Samuel 24,1-20 ein eindr├╝ckliches Beispiel daf├╝r, wie der freiwillige Gewaltverzicht im anderen etwas freisetzen kann, das seinen Hass ├╝berwindet, wie es Mahatma Gandhi gelehrt hat, und zur Vers├Âhnung f├╝hren kann.

Diese Geschichte ist zweitens ein Beleg daf├╝r, dass man Gott die Rache ├╝berlassen soll, wie es auch Paulus in R├Âmer 12,17-21 mit Bezug auf alttestamentliche Stellen schreibt. W├Ąhrend dem Zweiten Weltkrieg, am 12. Februar 1942, rief die First Lady Eleanor Roosevelt den amerikanischen Soldaten dies in Erinnerung (Siehe: My Day, The Best of Eleanor RooseveltÔÇÖs Acclaimed Newspaper Columns 1936-1962, Eleanor Roosevelt, S. 67). Dieser Respekt hat dazu beigetragen, dass nach der Befreiung Deutschlands ein recht gutes Verh├Ąltnis zwischen Besatzern und Besetzten aufgebaut werden konnte. Leider werden aber die Religionen immer wieder dazu ben├╝tzt, die Rache an den Feinden zu legitimieren, was zu einer Brutalisierung der Kriege f├╝hrt. Dagegen spricht die Geschichte von En-Gedi: Obwohl Gott Saul verworfen hat, bleibt er f├╝r David unantastbar.

Der freiwillige Gewaltverzicht, die Ehrfurcht vor der W├╝rde jedes Menschen und dass man Gott die Rache ├╝berl├Ąsst, sind wichtige Elemente, wie wir einen Frieden schaffen k├Ânnen, der auf Vers├Âhnung aufbaut und daher nachhaltig ist.

Zur katholischen Leseordnung: Sturmstillung

Ijob 38,1.-11; 2. Korintherbrief 5,14-17; Markus 4,35-41

Das Evangelium aus der katholischen Leseordnung zeigt Jesus als den, dem Wind und Wellen gehorchen (Markus 4,41). Gl├Ąubige Herzen erkennen in ihm Gottes Sohn, denn Ijob 38,8-11 bezeugt, dass nur Gott dem Meer befehlen kann: ┬źHier m├╝ssen deine stolzen Wogen sich legen!┬╗ (Ijob 38,11). Motivgeschichtlich erweist sich Gott bzw. Gottes Sohn als der, der das Chaos ├╝berwindet und eine lebensdienliche Ordnung schafft.

Angesichts der extremen Wetterereignisse, die durch die Klimaerw├Ąrmung h├Ąufiger werden, kann man sich fragen: Kann Gott die Naturgewalten eind├Ąmmen? Das kann man in naiver Gl├Ąubigkeit hoffen. Ich schlage aber eine andere Auslegung vor.

Was war das Geheimnis Jesu, dass er mitten im Sturm hinten im Schiff schlafen konnte? Es war sein unersch├╝tterliches Vertrauen in den Abba, den himmlischen Vater, den er in jeder Lebenslage anrief. Aus diesem Vertrauen heraus entfaltete er grosse Autorit├Ąt. Er konnte Ruhe herstellen, sei es in einer aufgebrachten Menschenmenge, sei es in den Herzen der Menschen. Seine J├╝nger lehrte er: ┬źWenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, werdet ihr zu diesem Berg sagen: Bewege dich von hier nach dort, und er wird sich wegbewegen┬╗ (Matth├Ąus 17,20). Der Glaube Jesu ist das Vertrauen in den ┬źAbba┬╗.

Wenn wir heute die Herausforderungen, vor die uns die Klimakatastrophe in verschiedener Hinsicht stellt, meistern wollen, so brauchen wir nicht nur gute Wissenschaft und eine neue Moral, sondern auch das tiefe Vertrauen in den ┬źAbba┬╗. Das gibt uns die Gelassenheit, um das Chaos im Innern zu stillen, und die Autorit├Ąt, die n├Âtig ist, um aufgew├╝hlte Menschenmengen dazu zu bringen, konstruktiv zusammenzuarbeiten. Wenn wir das Chaos in und unter den Menschen zur Ruhe bringen k├Ânnen, werden auch wir der Klimakatastrophe furchtlos begegnen k├Ânnen.

Arnold Steiner, Wildberg (Z├╝rich)

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