4. Adventsonntag (20.12.20)

4. Adventsonntag


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Mose 18,1-2.9-15 2 Sam 7, 1-5.8b-12.14a.16 Röm 16, 25-27 Lk 1, 26-38

 

Gen 18,1 – 2.9 – 15

Lachen, Zweifeln und Vertrauen fassen

„Lachen ist die beste Medizin“ sagt der Volksmund. In unserer Geschichte – Gott besucht Abraham und verheißt ihm den so lange erwarteten Sohn, ist Sarahs Lachen wohl eher ein Lachen aus dem Zweifel, zumindest aus einer Verlegenheit heraus. Nach menschlichen MaßstĂ€ben eine unfassbare AnkĂŒndigung: ein hochbetagtes Ehepaar soll im fortgeschrittenen Alter noch ein Kind bekommen.

Gott spricht eine Verheißung aus, die menschliche VernunfterwĂ€gungen sprengt.Insofern ist der verheißene Sohn -Isaak – denn schon ein „Wunderkind“. Der Text lĂ€dt uns im Blick auf das nahende Weihnachtsfest aber auch Vertrauen fassen, dass wir Gottes Zusagen vertrauen können. Das sollte uns Mut machen, in unserem Einsatz fĂŒr Frieden – eines der großen „Weihnachtsthemen“, nicht nachzulassen, aber auch an unseren kleinen KrĂ€ften nicht zu verzweifeln.

Der Text macht uns auch Mut zu einer fröhlichen und gelassenen Grundhaltung zu finden, denn Gott hat am Ende doch alles in der Hand – trotz alledem, was heute auf unserer Erde an Schlimmen geschieht.

2.Sam 7, 1 – 5.8b -12.14a - 16 

Der Friedenskönig

David fasst einen an sich löblichen Beschluss, nĂ€mlich dem HERRN ein Haus zu bauen, muss sich aber vom Propheten Natan belehren lassen, dass nicht er, sondern erst sein Nachfolger, sein Sohn Salomo diesen Entschluss ausfĂŒhren wird.

Vorab sollten wir uns hĂŒten, den vorliegenden Text vorschnell zu „spiritualisieren“, denn er hat auch sehr handfeste, irdische Dimensionen. Zum Ersten ist der Bau eines Tempels mit jeder Menge handwerklicher Arbeit verbunden. Zum Zweiten kommt der Nachfolger Davids ins Spiel.

Im Namen „Salomo“ klingt im HebrĂ€ischen deutlich das Wort „Schalom“ mit, das mit „Frieden“ ĂŒbersetzt wird.

Aber der Schalom Gottes hat eine ganzheitliche Dimension, er umfasst den ganzen Menschen nach Geist, Seele und Leib hin.

Ferner berichtet uns die Bibel, dass unter der Herrschaft Salomos fast keine Kriege gefĂŒhrt wurden, er also zu Recht als „Friedenskönig“ genannt werden kann und eine Vorschattung des FriedensfĂŒrsten (Jes. 9, 5) ist des verheißenen Messias. Aber Jesus als der verheißene Messias hat auch eine Botschaft, einen Auftrag an uns: „Selig sind die Friedensstifter“ (Mt.5, 9).

Röm. 16,25 – 27

Das große Geheimnis enthĂŒllt

Eigentlich ist der Schluss des Römerbriefes kein echter Briefschluss, sondern ein Lobpreis.

Aber an einer Stelle stutzt der Leser/die Leserin: Wenn Paulus von einem Geheimnis spricht, das seit ewigen Zeiten „unausgesprochen“ war. Wörtlich mĂŒsste das im griechischen Text stehende Wort mit „verschwiegen“ ĂŒbersetzt werden.

Seltsam, der in der Bibel als „gnĂ€dig“ beschriebene Gott verschweigt seinen Geschöpfen etwas?

Aber es ist doch so. Etwas, was verschwiegen und nicht ausgesprochen wird ist doch deswegen da.

Auch Menschen verschweigen einander etwas, hĂ€ufig stehen sie sich mit unausgesprochenen Vorurteilen, verheimlichten Groll und Ablehnung gegenĂŒber und sich selbst im Weg.

Hier ist es aber anders:

Gott hat das Geheimnis der Menschwerdung seines Sohnes erst enthĂŒllt (offenbart), als der Zeitpunkt dafĂŒr reif war. Menschwerdung ist eben das Zusammenkommen zweier Dimensionen: der menschlichen und der göttlichen, weswegen das große Weihnachtsmotto auch heißt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“. Ja, Friede möge werden, aber bisher haben alle menschlichen Handlungen und Verhandlungen den Frieden auf Erden nicht wirklich gesichert.

Dennoch wĂ€re es falsch, deswegen menschliche FriedensbemĂŒhungen zu unterlassen, aber im Blick zu behalten, dass das „Ehre sei Gott in der Höhe“ nicht unter den Tisch fĂ€llt, wie es in einem modernen Kirchenlied heißt: Jeder Mensch auf dieser Erde soll ein Friedenstifter sein, dass sie Gottes Erde werde, dazu ist kein Mensch zu klein.

Lk 1,26 – 38

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden - ohne Zweifel?

Die AnkĂŒndigung der Geburt Jesu – ein großes Thema vieler bildender KĂŒnstler – könnte als GegenstĂŒck zum Text aus der Abrahamsgeschichte gesehen werden: Sarah zweifelt – Maria sagt freudig „Ja“ zu Gottes Verheißung.

Doch halt: Auch Maria stellt dem Engel die Frage, wie denn die Geburt zustande kommen soll, wo sie doch keinen Mann hat. Schwer zu sagen, ob in ihrer Frage nicht doch ein leiser Zweifel mitschwingt, zumindest aber ein deutliches Zögern.

Es wird, gerade in frommen Kreisen, schnell gesagt, dass ein Christ nicht an Gottes Verheißungen zweifeln dĂŒrfe. Ehrlicherweise mĂŒssen wir aber Folgendes zugeben: Seit etwa 2000 Jahren wird die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden verkĂŒndet und sicher haben Millionen Menschen sie gehört.

Aber friedlicher ist die Welt doch nicht geworden, denken wir nur an die prekĂ€re Lage im Heiligen Land, an den BĂŒrgerkrieg in Libyen oder den Krieg im Jemen; die Liste ließe sich beliebig verlĂ€ngern.

Angesichts solcher Beispiele könnten schon Zweifel an der GĂŒte und Allmacht Gottes aufkommen.

Aber anders gefragt: Was wĂŒrde geschehen, wenn sich mehr Menschen auf die Botschaft vom Frieden auf Erden einließen, sie ernst nehmen und sich auf ihre GlaubwĂŒrdigkeit verließen und dadurch ihr Handeln leiten ließen?

Sicher wĂŒrde mehr geschehen, als wir denken, wenn auch wir sprechen: “Mir geschehe, wie du gesagt hast“.

Gregor Janik, Zittau

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