Christvesper / Christnacht bzw. Hl. Abend / Hl. Nacht (24.12.12)


Heiliger Abend und Heilige Nacht / Christvesper und Christnacht

ev. Predigttext: kath. 1. Lesung: kath. 2. Lesung: kath. Evang.:
Vesper: Joh 7, 28-29 Abend: Jes 62, 1-5 A: Apg 13, 16-17.22-25 A: Mt 1, 1-25
Nacht: Hes 37, 24-28 Nacht: Jes 9, 1-6 N: Tit 2, 11-14 N: Lk 2, 1-14

Der Verfasser betrachtet Hes 27, 24-26; Jes 62, 1-4; Jes 9, 1-6 und Lk 2, 1-14. Zu Mt 1, 1-25 verweist er auf die Auslegung von Jes 9, 1-6 dessen Vers 5 in Mt 1, 23 anklingt. Zu den anderen Lesungstexten sieht er keine Verbindung zu Nachhaltigkeitsaspekten.

Hes 37, 24-28: Ein neuer Bund des Friedens:


1. Exegetische Hinweise
Der Prophet Hesekiel (hebr. ‏Ś™Ś—Ś–Ś§ŚŚœâ€Ž Yeáž„ezÄ·el, Jechezkel = "Gott möge krĂ€ftigen"; Namensform nach den Loccumer Richtlinien: Ezechiel)) war Priester, der mit der ersten Verbannung 597 nach Babylon deportiert wurde und dort von 593 bis ca. 571 als Prophet gewirkt hat. Nach der Katastrophe der Deportation und Zerstörung des Tempels in Jerusalem wird Hesekiel zum VerkĂŒnder einer neuen Heilshoffnung. Im Kap. 36 wird die Begnadigung Israels angekĂŒndigt. Das Wort vom neuen Herz, dem Herz aus Fleisch, (Hes 36, 25-28) steht der Botschaft des Zeitgenossen Jeremia nahe vom neuen Bund, den Jahweh begrĂŒnden wird (Jer 31, 33-24). Und dieser neue Bund ist mit der Geistausgießung verbunden (Hes 26, 26). Die gewaltige Vision von Hes 37, 1-14 kĂŒndigt die Erneuerung des Volkes an, das wie verdorrte Totengebeine auf dem Feld liegt und durch Jahweh wieder mit Fleisch umgeben und mit Leben erfĂŒllt wird. Hier finden wir AnsĂ€tze einer Auferstehungshoffnung in Israel.

2. Theologische Impulse
Es ist eine weihnachtliche Botschaft. Es geht um das Ankommen Gottes bei seinem Volk. „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein" (V 27). Und das Ankommen in seinem Volk ist Ursache, dass „auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin" (V 28). Hesekiel kĂŒndigt einen neuen Bund an, einen Bund des Friedens. Dieser Bund wird Bestand haben, ein ewiger Bund sein. Denn Gott wird seinen Geist in die „neuen Herzen" der Men-schen ausgießen (Hes 36, 26).
Die allgemeine Heilserwartung, wie wir sie bei den Propheten finden, wird an dieser Stelle mit der Messiaserwartung verbunden: Hesekiel spricht von einer Heilsbringergestalt, dem Knecht David, der König sein soll und einziger Hirte fĂŒr alle (V 24): Die kĂŒnftige Hirtenschaft Jahwehs inkarniert sich im Hirten David (Alfons Deissler). Und er bringt den „Paradiesesfrieden". GenĂŒgend AnsĂ€tze fĂŒr eine weihnachtliche VerkĂŒndigung.

3. Nachhaltigkeitsaspekte
Der König hat die Aufgabe, die „Bundescharta" im Gottesvolk, d.i. der Sinaibund, dessen Kern das „Zehnwort" ist, der Dekalog, zu realisieren. Dem „Knecht David" kommt es als König und Hirte zu, das Volk so zu fĂŒhren, dass sie „wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun" (V 24). Der „Bund des Friedens", den Jahweh mit seinem Volk neu schließen will, ist ein umfassender Schalom, ein Frieden, der Welt und Mensch umfasst, Schöpfung und Menschenwelt, alles, was ist und lebt. Er will Wachstum und Vielfalt des Lebens, nicht Behinderung oder gar Vernichtung des Lebens. Der Bund des göttlichen Schalom ist insbesondere ein Bund der Menschenrechte. „Gott ist Anwalt der in der Bundescharta garantierten Menschenrechte" (A. Deissler). Hier geht es ganz konkret um Achtung und Schutz der MenschenwĂŒrde, und zwar aller Menschen, gerade der Armen und OhnmĂ€chtigen (vgl. Hes 22, 6-10).
Gott selbst ist der Garant seines Schalom. Durch die Ausgießung seines Geistes (36, 26). Und dieser umfassende Frieden bleibt nicht bei seinem Volk, sondern strebt zu den Völkern und will sie erfĂŒllen. So wird er zum weihnachtlichen Geschenk Gottes an die Menschheit. Und sie werden „erfahren, dass ich der HERR bin" (V 28).
„Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen" (V 25). Diese Verheißung ist nicht im Sinne einer Belohnung fĂŒr Wohl-verhalten, sprich: neue Jahweh-Treue, zu verstehen. Sie werden im Lande wohnen, weil sie so leben, dass die Lebensgrundlagen dort erhalten bleiben. Sie leben ihren Glauben tatkrĂ€ftig im Alltag, im richtigen Leben. Dessen Kern ist aber die Achtung und Förderung des Lebens; denn Gott ist ein Liebhaber des Lebens. Wenn die gegenwĂ€rtige Generation nachhaltig lebt, d.h. die Schöpfung achtet, Ressourcen schont, die Lebensgrundlagen fördert, nicht vernichtet (Stichwort: Klimawandel), können die nachfolgenden Generationen, die „Kinder und Kindeskinder", noch „in dem Lande wohnen", auf diesem Planeten leben.

Quellen:
http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/prophetische-buecher/ezechielhesekiel/
Alfons Deissler: Die Grundbotschaft des Alten Testaments, Freiburg 1995

 

Jesaja 61, 1-5: Das Recht strahlt auf in Jerusalem:


1. Exegetische Hinweise
Der dritte Teil des Jesaja-Buches, die Kap. 55-66, ist wohl von mehreren Autoren verfasst. Entstehungszeit ist die zweite HĂ€lfte des 6. Jahrhunderts v. Chr.; vorausgesetzt ist das Ende der Exilszeit und die RĂŒckkehr der Verbannten nach Israel. Mittelpunkt des „Trito-Jesaja" bilden die Kapitel 60-62 mit Verheißungen, die vor allem auf Jerusalem bezogen sind. Sie zeichnen das kĂŒnftige Jerusalem im Heil und Glanz Gottes: „Auf, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf ĂŒber dir" (Jes 60,1).

2. Theologische Impulse
Das Bild von der Gotteshochzeit prĂ€gt diesen Text: Jerusalems Erbauer vermĂ€hlt sich mit der Stadt, die seine große Liebe ist - Jerusalem: „Wie der BrĂ€utigam sich freut ĂŒber die Braut, so freut sich dein Gott ĂŒber dich." Ein Bild der Liebe und Zuwendung Gottes zu seinem Volk. Eine Zukunftsvision, die aber ihre Kraft jetzt schon in der Gegenwart entfaltet. Sie zeigt Jerusalem als eine weit in die Welt hinaus strahlende Stadt, in der das Recht „aufstrahlt wie ein Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel" (V 1). Recht und Heil sind die Mitgift des BrĂ€utigams (vgl. Hos 2,21); sie sind es, die Jerusalem strahlen lassen und die Völker bewegen werden, in einer großen Wallfahrt hinauf nach Jerusalem zu ziehen. „Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegrĂŒndet als höchster der Berge; er ĂŒberragt alle HĂŒgel. Zu ihm strömen alle Völker" (Jes 2,2). Der Herr ist dort, wo Recht und Heil sind. Daran erkennen die Völker das Haus des Herrn. Es ist ein Bild, das korrespondiert mit der Huldigung der Sterndeuter an der Krippe des neugeborenen Jesus, dessen Name bedeutet: Jahweh ist Heil. Die Magier stehen fĂŒr die Völker, die Gott suchen und ihn finden in dem Kind von Bethlehem. Und an jedem Ort, wo Heil und Recht herrschen. Und in jedem Menschen, der tut, was gut ist „und was Jahweh von dir fordert: nichts als Recht tun und die GĂŒte lieben und in Dienmut wandern mit deinem Gott" (Micha 6, 8; HerderĂŒbersetzung).

3. Nachhaltigkeitsaspekte
Wo Gott ins Spiel kommt, sein Bund mit den Menschen, da wird es höchst ungemĂŒtlich. Auch an Weihnachten, und gerade an Weihnachten. Weil er mir so nahe, geradezu handgreiflich nahe kommen will – mit seiner Mensch-Werdung, seinem Mensch-Sein. Wenn, wie hier, vom Recht die Rede ist, ist der ŚžÖŽŚ©Ö°ŚŚ€ÖžÖŒŚ˜ (=miĆĄpāt) Gottes, das Gottesrecht, gemeint, das mich in die Pflicht nimmt. Das Gottesrecht tritt ein fĂŒr den Menschen. FĂŒr seine unantastbare WĂŒrde und seine Rechte. Wo die Menschenrechte geachtet werden, ist Gott prĂ€sent. Die Menschenrechte sind eine institutionelle PrĂ€senz Gottes in der Welt. Die Christen haben eine besondere Verantwortung fĂŒr diese PrĂ€senz Gottes! Ein Versagen vor den Menschenrechten bedeutet eine Verdunkelung des Glaubens in der Welt. Das soziale Engagement, das politische Eintreten fĂŒr eine gerechte Staats- und Wirtschaftsordnung, der Kampf gegen die Hoheit der Ökonomie ĂŒber die Politik, aber auch gegen die Ökonomie als Maßstab in allen Lebensbereichen ist gelebter biblischer Glaube, ist – weihnachtlicher Glaube. „Wie Wasser flute das Recht, und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" (Am 5, 24). Wo das geschieht, ist Gott mitten unter uns.
Die Begriffe Recht und Heil sind hier auch transparent auf die Schöpfung hin. So wie die Menschenrechte nicht teilbar sind, sind sie auch nicht losgelöst von den LebenszusammenhĂ€ngen zu verstehen, in denen sie existieren und realisiert werden mĂŒssen. Siehe deshalb auch die anderen Textauslegungen vom Tage.

Quellen:
http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/prophetische-buecher/tritojesaja/
Alfons Deissler: Die Grundbotschaft des Alten Testaments; Freiburg 1995

 

Jesaja 9, 1-6: Er zerbricht das drĂŒckende Joch:


1. Exegetische Hinweise
Jesaja (Proto-Jesaja) stammt aus Jerusalem. Er gehörte zur Oberschicht und hatte Zugang zum königlichen Hof. Er selbst nennt sich nie Prophet (hebr. Ś ÖžŚ‘ÖŽŚ™Ś nābĂź' = berufener Rufer). Seine prophetische Wirksamkeit geht ĂŒber erstaunliche vier Jahrzehnte (ca. 740 bis 701 v. Chr.). Mit Amos gehört er zu den ersten „Schriftpropheten", deren Botschaft von ihnen selbst oder SchĂŒlern aufgezeichnet und weiterentwickelt worden ist. Jesaja-Texte gehören zu den bedeu-tendsten des ganzen Ersten Testaments. Wir hören sie in der Advents- und Weihnachtszeit. Jes 9, 1-6 ist ein messianischer Text. Er kĂŒndigt die Geburt eines Heilsbringerkindes an und dessen Inthronisation als Heilskönig, der einen Frieden bringt, der kein Ende mehr hat (V 6). Jes 11, 1-9 charakterisiert diesen König als eine von Gott mit der FĂŒlle des Geistes ausgestattete Gestalt, die Recht und Gerechtigkeit fĂŒr die Menschen durchsetzt.

2. Theologische Impulse
Ein Text voll weihnachtlicher Motive: Licht, Freude, Geburt, Frieden. Die Heilsverheißung, die sich an das „Volk im Dunkeln" richtet, wird konkret in der Geburt eines königlichen Kindes, dessen Namen (V 5) im „Thronbesteigungs-hymnus" aussagen, was es tun wird: „Wunderbarer Ratgeber" ist der auf Gott hörende Herrscher, der fĂŒr sein Volk eintritt. „Starker Gott" meint einen König, der ganz in und aus der PrĂ€senz des Göttlichen lebt. „Vater in Ewigkeit" entfaltet eine königliche Grundhaltung der FĂŒrsorglichkeit, die jedem Angehörigen des Volkes ermöglicht, sein Menschsein zu leben. „FĂŒrst des Friedens" bezeichnet den König als Garanten des göttlichen Schalom, eines Friedens, der nicht nur eine Zeit ohne Krieg meint, „sondern eine Ära der 'SeinsfĂŒlleÂŽ und des GlĂŒckens im Menschen- und Tier-reich (vgl. Jes 11, 4-9)" (A. Deissler). Recht und Gerechtigkeit werden dieses Reich durchwalten und prĂ€gen (V 6), in ihm kann das „Menschsein des Menschen" (A. Deissler) gelingen.

3. Nachhaltigkeitsaspekte
Jes 9, 1-6 hat eindeutig eine politische Dimension: „Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drĂŒckende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers" (Vv 3f). Ein Bild vom Ende jeglicher Gewalt und UnterdrĂŒckung. Im Hintergrund steht die noch frisch in der Erinnerung haftende Erfahrung der Vernichtung des Nord-reichs 722. Die Zukunft fĂŒr das SĂŒdreich Juda erscheint von daher dĂŒster. Und in diese Dunkelheit hinein ruft der Rufer Jesaja im Auftrag Gottes seine Heilsbotschaft, die sich hineinformt in eine Befreiergestalt, die vom Geist Gottes erfĂŒllt ist, um die Hilflosen und Armen aller Gewalt zu entreißen (Jes 11, 3-5). Er wird ein Reich errichten, dessen Kennzeichen Recht und Gerechtigkeit, SolidaritĂ€t und Zuwendung zu den OhnmĂ€chtigen und Kranken, den Alleingelassenen und zu kurz Gekommenen sein werden. Die Kirche hat in diesem Heilsbringer Jesus Christus erkannt. Und dieses Reich wird nachhaltig sein, „fĂŒr alle Zeiten" Bestand haben (V 6).
Die Botschaft der Propheten des Alten Bundes ist immer Sozialbotschaft, sozialpolitische Botschaft. Nicht erst an zweiter, sondern immer an erster Stelle! Es geht in der prophetischen Jahweh-Botschaft immer um das Heil der Menschen im Hier und Heute, in dieser Welt, in diesen LebenszusammenhĂ€ngen. Die Propheten verkĂŒnden zwar Visionen und Zukunftshoffnungen, aber kennen keine Vertröstung auf die Zukunft oder eine jenseitige Welt. Und ihre Botschaft verĂ€ndert, ja verwandelt die Menschen: Sie, die in der Finsternis sitzen, sehen ein „helles Licht". Der Jubel und die große Freude sind Gegenwart, nicht Zukunft. Die Hoffnung, die Jesaja mit seiner Vision auslöst, befĂ€higt die Menschen aufzubrechen, auf die Zukunft der Vision hin zu handeln. So wird die Zukunft bereits Gegenwart!
Ein Weiteres: Gott will nicht nur in diesem Heilsbringerkind geboren werden. Weihnachten meint nicht zuerst die Erinnerung an eine Geburt in Bethlehem, sondern die „Gottesgeburt in mir" (Meister Eckart). In mir, in jedem von uns will der Messias, der Christus Gottes geboren werden. Jeder von uns ist Heilsbringer, Messias, Inkarnation Gottes. Jeder von uns ist berufen, am Frieden ohne Ende mitzuarbeiten, die Joche und die Schlagstöcke der UnterdrĂŒcker zu zerbrechen, das Ende der Gewalt mit herbeizufĂŒhren. Wir sind gerufen, auch von dem „berufenen Rufer" Jesaja, dem Friedensreich Konturen zu geben, die Recht und Gerechtigkeit und SolidaritĂ€t heißen. In uns will der „leidenschaftliche Eifer des Herrn" das vollbringen.

Quellen:
http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/prophetische-buecher/jesaja/
Alfons Deissler: Dann wirst du Gott erkennen – Die Grundbotschaft der Propheten; Freiburg 1987

 

Lukas 2, 1-14: Freude und Frieden – die weihnachtliche Festgabe Gottes:


1. Exegetische Hinweise
Nur MatthĂ€us und Lukas kennen eine Kindheitsgeschichte und Geburtsszene Jesu. Vor allem die lukanische Darstellung hat die inneren weihnachtlichen Bilder vieler Christen geprĂ€gt. Die Ärmlichkeit und Ohnmacht spiegelnde Darstellung ist zur Idylle geworden, zu der auch die Hirten gehören, die damals keinen guten Ruf hatten und RandstĂ€ndige der Gesellschaft waren. Die Zeitangaben verbinden die Geburt Jesu mit der Profangeschichte und zeigen bereits hier einen grundlegenden und unĂŒberwindbaren Kontrast auf: Dort politische Macht und Gewalt, hier absolute Machtlosigkeit und Zuwendung zu den Schwachen und schlecht Beleumundeten. Ein Zensus, wie in Lukas beschreibt, ist historisch nicht festzumachen. Die Geburt Jesu vor 4 v. Chr. (Tod des Herodes) gilt als sicher. Der Ort Bethlehem hat theologische Bedeutung: Jesus wird als „Sohn Davids" in die Ahnenreihe des hier geborenen Königs gestellt. FĂŒr eine Geburt in Bethlehem sprechen die sehr alte Tradition und die unabhĂ€ngig voneinander und aus unterschiedlichen Quellen schöpfenden Darstellungen von MatthĂ€us und Lukas.

2. Theologische Impulse
Freude und Frieden sind die weihnachtliche Festgabe Gottes an uns. Gott wird Mensch, in einem ohnmĂ€chtigen Kind, an einem in der Welt vergessenen Ort, umgeben von gesellschaftlichen Außenseitern, den Hirten, und – einem großen himmlischen Heer: Himmel und Erde sind versammelt zum Jubel ohne Ende. Gott wird Mensch. Das ist Gottes Ja zum Leben, zur Schöpfung, zum Menschen. Daraus quillt Freude ohne Ende. Eine Freude, die ihren Ursprung in Gott selbst hat und von ihm zur Schöpfung geht, sie durchströmt, Welt und Mensch mit Frieden erfĂŒllt, Frieden, den nur Gott selbst geben kann. Freude ist der Boden, auf dem der Frieden wĂ€chst. Diese Freude verschafft sich Ausdruck, z.B. in der Musik, in Bachs Weihnachtsoratorium. Das sind göttliche KlĂ€nge, das ist Evangelium. Das ist der Ort, in dem eine theologische Behauptung zur Wahrheit wird: Gott ist und er ist lebendig und er ist lebendige Vielfalt!
Menschwerdung Gottes ist unser Auftrag: Mensch, werde auch du Mensch! Lass Gott in dir ankommen, öffne dich, dass Gott auch in dir geboren werden kann! Menschwerdung des Menschen ist Gottesgeburt im Menschen, das ganz persönliche Weihnachten. Wie eine reale Geburt ist auch diese ein schmerzhafter Vorgang. Menschwerdung heißt, zu sich selbst finden, d.h. auch die Quellen inneren Friedens finden, das ist Gott in mir, „in meinem Seelengrund" (Meister Eckhart). Wer in Frieden lebt, aus seinem Frieden lebt, wird ein Ort des Friedens in der Welt, ein Ort, von dem der Frieden in der Welt hinausgeht. Menschwerdung und Friedenswerdung sind eins!

3. Nachhaltigkeitsaspekte
Die Hirten waren ein verachteter Berufsstand, ungelernte Arbeiter, Außenseiter, unterstes soziales Milieu. Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes ist die Botschaft fĂŒr die Armen, die Menschen ganz unten. Offen dafĂŒr sind die Verachteten, die in ihrem Menschsein Verletzten, die durch Leid und Schuld Aufgebrochenen (vgl. die Heilungswunder Jesu!), in ihren Herzen Geöffneten. Das ruft uns auch an Weihnachten in die Verantwortung fĂŒr die Schwachen, Hilflo-sen, Verlorenen.
Der weihnachtliche Friede ist ein umfassender Schalom, ein Friede, der Mensch und Schöpfung umfasst. Menschlicher Friede ohne Frieden mit der Schöpfung geht nicht. Ein Weg zu diesem Frieden ist die Freude an der Schöpfung. Die Schönheit und GĂŒte der Schöpfung sehen, auch in ihrer Gebrochenheit („wir wissen, dass die gesamte Schöpfung ... in Geburtswehen liegt" – Röm 8, 22), vermag einen erfĂŒllenden Frieden zu schenken. Und aus diesem Frieden kann ein kraftvolles, auch leidenschaftliches und kĂ€mpferisches Engagement fĂŒr Umwelt, Fauna und Flora erwachsen zur Bewahrung der Schöpfung.
Die Freude und der Frieden von Weihnachten haben immer auch den Blick auf die nĂ€chste Generation, denn sie um-fassen auch bereits die, die noch nicht geboren sind. Es gibt eine Verantwortung der Lebenden fĂŒr die, die nach uns kommen. Eine Verantwortung fĂŒr eine Welt nach uns, die noch lebensfĂ€hig ist, nicht vergiftet, nicht aller Lebensressourcen beraubt. Der Einsatz fĂŒr die Schöpfung Gottes aus einer weihnachtlichen Grundhaltung heraus lebt aus der Überzeugung, dass sich „in der unendlichen Vielfalt alles Lebendigen das Antlitz Gottes spiegelt" (Ernst F. Regius). Gott ist Mensch geworden heißt auch, Gott ist inkarniert in seine Schöpfung, die ein Akt seiner Liebe ist.
Wasser und Arbeit – zwei Aspekte zum Frieden in Nahost:
Ein großes, auch politisches Problem ist der Wassermangel im Nahen Osten. Ein gerechtes Teilen und ein gemeinsamer nachhaltiger Umgang mit dem Wasser in der Region Israel / PalĂ€stina wĂŒrde ein wichtiger Beitrag fĂŒr einen kĂŒnftigen Frieden zwischen Israelis und PalĂ€stinensern sein.
Ein weiteres Problem, auch im Blick auf den Frieden, ist die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit unter den jungen PalĂ€stinensern. Junge Menschen ohne Arbeit sind Menschen ohne Lebensperspektive. Sie werden um ein Menschenrecht betrogen, das Recht auf Arbeit. Keine Arbeit zu haben, ist demĂŒtigend. Junge MĂ€nner ohne Arbeit können ein Potenzial der Gewalt sein. Diesen jungen Menschen Arbeit geben, heißt, ihnen einen Sinn und eine Orientierung fĂŒr ihr Leben geben. Und eine wichtige Voraussetzung fĂŒr einen gelingenden Friedensprozess wĂ€re geschaffen.

Quelle:
Jacob Kremer: Lukasevangelium, Reihe: Die Neue Echter Bibel, Kommentar zum Neuen Testament mit der EinheitsĂŒbersetzung; WĂŒrzburg 1988
 

Thomas Bettinger

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