Letzter Sonntag im Kirchenjahr / Christkönigssonntag (26.11.17)

Letzter Sonntag im Kirchenjahr / Christkönigssonntag 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 12, 42-48 Ez 34, 11-12.15-17 1 Kor 15, 20-26.28 Mt 25, 31-46

Vorbemerkung

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr wird in der evangelischen Liturgie als Totensonntag oder Ewigkeitssonntag begangen, in der katholischen Liturgie als Christkönigssonntag.

In der Tradition des seit 1925 gefeierten Christkönigssonntag wird der Anspruch aller weltlichen Führer und Verführungen auf umfassende Macht zurückgewiesen. Diese machtkritische Tradition gilt es zu bewahren und zu aktualisieren. Am Toten- oder Ewigkeitssonntag werden i.d. R. die Namen der Verstorbenen der Gemeinde im Kirchenjahr verlesen und das Thema „Tod" theologisch bearbeitet. Das „Memento Mori" hat in Zeiten von Terror, Flucht und tausendfachem Tod im Mittelmeer enorme politische Bedeutung. Der besondere staatliche Schutz dieses Tages, für den als „stiller Feiertag" in allen Bundesländern Einschränkungen im Bereich öffentlicher Feiern und Veranstaltungen bestehen, steht allerdings in der öffentlichen Diskussion in der Kritik. Das gilt insbesondere für das Tanzverbot.

Nachhaltig zu predigen bedeutet an diesem Sonntag auch, die bleibende politische Bedeutung dieses Sonntages in einer säkularer werdenden Gesellschaft zu übersetzen, um die nach wie vor aktuelle Relevanz von Stille angesichts des individuellen und kollektiven Sterbens zu begründen.

Lukas 12, 42 – 48

Der Predigttext ist eines der drei sog. Sklavengleichnisse bei Lukas ( 12, 35-48; 17,3-10; 19,11-27).

Ich empfehle die Übersetzung von „doulos" mit" Sklave" (statt „Knecht"), um eine allegorische Deutung des Gleichnisses zu vermeiden. In dieser Auslegungstradition wurde zu häufig die Sklaverei gerechtfertigt (bzw. stillschweigend vorausgesetzt) und der Sklavenbesitzer, übersetzt als "Haushalter", mit Gott gleichgesetzt. In einer sozialgeschichtlichen Auslegung wird von der konkreten Situation eines Sklaven bzw. Sklavenbesitzers ausgegangen auf dem Hintergrund von Phil 2,6-10: Hier ist „Sklave" keine Metapher für Jesus, sondern Christus starb den Tod eines Sklaven (vgl. Luise Schottroff, Die Gleichnisse Jesu, S. 225 ff.). Jesus antwortet in unserer Predigtstelle auf die Frage des Petrus, wer nun im vorangegangen Gleichnis angesprochen sei – alle oder nur die Jünger und Jüngerinnen – mit einem Gleichnis.

Es geht hier um die gerechte Verteilung von Getreide und damit um die materiellen Lebensgrundlagen von Menschen. Die gerechte Verteilung von Lebensmitteln hat die gerechte Verteilung von Vermögen zur Folge. In Vers 37 des vorangegangenen Gleichnisses tauscht der Sklavenbesitzer mit dem Sklaven die Rollen und gibt symbolisch und für begrenzte Zeit seine Herrschaft auf!

Und umgekehrt gilt: Wer Nahrung vorenthält und selber auf Kosten anderer satt werden will, wer Sklaven und Sklavinnen (nur hier kommt auch die weibliche Form vor!) schlägt und sich berauscht, wird „in Stücke gehauen werden". Aber auch das Nicht-Handeln angesichts von offensichtlicher Ungerechtigkeit verdient „Schläge". Die Unterschiede zwischen denen, die den Willen des Haushalters kennen und denen, die ihn nicht kennen, sind nur graduell.

Vers 48 beantwortet nun die Eingangsfrage des Petrus: Alle Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu sind im Gleichnis angesprochen, denn ihnen ist das Wort Gottes anvertraut. Es entfaltet seine Relevanz im Tun des Gerechten – hier und jetzt. Alle andere Autoritäten – auch die vielfältigen Zwänge des Alltags - sind dem nachgeordnet.

Die Konsequenzen ungerechten Handelns und des Entzugs der Nahrung und damit der existenziellen Lebensgrundlage haben dramatische Folgen.

Predigtassoziationen

Schlechte Haushalterschaft - also die ungerechte Verteilung von Nahrung und Lebensgrundlagen weltweit und der ungehemmte Verbrauch der natürlichen Ressourcen auf Kosten der Menschen in den Ländern des Südens - hat dramatische Folgen nicht irgendwann, sondern im Hier und Jetzt. 800 Millionen Hungernde weltweit, 60 Millionen Menschen auf der Flucht auch aufgrund des Klimawandels und Tausende von Toten im Mittelmeer, sind die „Zeichen der Zeit".

Die Dramatik der aktuellen politischen Weltlage, die Verantwortungslosigkeit der reichen Länder und die Konsequenzen für die Verursacher finden in Vers 46-48a ihre Entsprechung.

Das gilt es einerseits nicht zu „verniedlichen", andererseits die vielen guten Beispiele zu würdigen, z.B. in der Flüchtlingsarbeit oder im Versuch, Reichtum besser zu verteilen, einen suffizienten Lebensstil und eine „Ethik des Genug" zu leben.

Um der Toten zu gedenken und eine „Ethik des Genug" einzuüben, braucht es Räume der Stille, der Meditation und der Kontemplation. Der Gottesdienst sollte auch hierfür Platz einräumen.

Symbolische Gesten:

Eine „Rettungsweste", die auf das Schicksal der Flüchtenden aufmerksam macht, und ein Pott Kaffee, oder ein Laib Brot, die für die vielfach geübte Willkommenskultur stehen.

Das Lied von Silbermond „ Leichtes Gepäck" eignet sich als Einstieg:

" Eines Tages fällt dir auf,
dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck."

Ez 34,11-12; 15-17

Es empfiehlt sich eine Konzentration auf Vers 16 – 17. Die Übersetzung der „Bibel in gerechter Sprache" pointiert in Vers 16b das zentrale Thema des 34. Kapitels: Der scharfe Kontrast zwischen einem guten Hirten (V. 10-16; 23-31) und einem schlechten Hirten ( V2-10; 17-22): „Den Fetten und Starken werde ich Einhalt gebieten – ich werde sie weiden, wie es dem Recht entspricht."

Im Bild des Hirten geht es um die Vision einer gelungenen Leitungsverantwortung für andere. Die Predigt könnte an Vers 16 entlang gelungene und misslungene Machtausübung thematisieren.

Wer sind die „Fetten und Starken" heute und wie ist ihnen Einhalt zu gebieten? Wer sind die Verlorenen, Verirrten, Gebrochenen und Schwachen und wie können sie von guter Leitung mit verantwortungsvoller Machtausübung gestärkt werden?

Am Christkönigsonntags können die vielen Beispiele, in denen das Vertrauen auf die Königsherrschaft Gottes weltlichem Machtmissbrauch gegenüber gestellt wurde – von der katholischen Jugend im Nazideutschland, über Dietrich Bonhoeffer, Leonardo Boff, Ernesto Cardenal bis zur Enzyklika „Laudato Si" als Ausgangspunkt der Predigt genommen werden.

Allerdings ist zu beachten, dass das zentrale biblische Bild vom Hirten als Metapher für die Barmherzigkeit und Fürsorge Gottes nicht mehr selbsterklärend ist und Assoziationen eines patriarchal-paternalistischen Leitungsstils weckt. Das Bild muss neu übersetzt werden.

1 Kor 15, 20 – 26; 28

Der Text eignet sich meines Erachtens nicht gut für eine Predigt mit dem Fokus auf „Nachhaltigkeit".

Mt 25, 31-46: Siehe „Nachhaltig predigen" 15.11.2015 (Johannes Merkel)

Volker Rotthauwe