2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis (16.01.22)

2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Kor 2,1-10 Jes 62, 1-5 1 Kor 12, 4-11 Joh 2, 1-11

 

1 Kor 2,1-10

Exegetische Einordnung

Der erste Korintherbrief gehört zu den authentischen Paulusbriefen. Paulus geht in diesem Brief auf verschiedene Anfragen aus der von ihm gegründeten und noch jungen Christengemeinde in Korinth ein. Im vorliegenden Abschnitt erinnert Paulus an diese ersten Begegnungen. Weil sich in der Gemeinde unterschiedliche Gruppen ausgeprägt haben und der Zusammenhalt in Frage steht, bemüht sich Paulus, die Einheit und Gemeinschaft in Korinth zu stärken und an die Grundlagen seiner Botschaft zu erinnern.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Für unseren Themenbereich kann die Erinnerung bzw. Besinnung auf das Wesentliche fruchtbar gemacht werden, die Paulus den Einzelthemen der Folgekapitel voranstellt: nicht glänzende Rede oder gelehrte Weisheit stehen im Vordergrund der Rede des Paulus, sondern das Geheimnis Gottes. Im übertragenden Sinn: nicht die geschliffene Diskussion der hochkomplexen Aspekte verschiedener Maßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit steht im Vordergrund, sondern zuerst die Frage nach dem Geheimnis unseres Lebens. Was macht gutes Leben aus? Was trägt uns? Wie gestalten wir erfüllende Beziehungen untereinander und zu Gottes Schöpfung? Letztlich ist das die Grundlage aller notwendigen Überlegungen zur Umgestaltung der Wirtschaft, der Mobilität und der Energiepolitik. Solche grundlegenden Überlegungen können ein Beitrag zu einer gesellschaftlichen Transformation sein, die auf einer neuen Werteordnung basiert.

Enthüllt wird das Geheimnis durch den Geist Gottes. Deshalb bleibt es denen verborgen, die ihre Aufmerksamkeit (kein Ohr hat je gehört, kein Auge hat je gesehen…) nicht von „weltlichen“ Dingen abwenden können. Dabei geht es nicht um den Dualismus Gott vs. Welt. Ich kann Glück und Erfüllung während meines Lebens schließlich nur in der Welt finden, in der ich lebe. Es kommt vielmehr auf den Blick an, mit dem ich das Leben und die Welt betrachte. Paulus richtet seinen Blick auf den Gekreuzigten: „Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.“ Nicht ein im irdischen Sinn siegreicher, strahlender Christus-Held hat ihn überzeugt, sondern der gekreuzigte; der, der die Liebe bis in den Tod verkündet und mit seinem Leben bezeugt. Das ist der Kontrast zu allen Maßstäben, die auf weltlicher Macht – begründet in gelehrter Klugheit, dominanter Wirtschaft, überlegenem Militär – beruhen. Jesus` Hingabe hinterfragt unsere gängigen Machtmodelle und die Vorstellungen von Glück, das sich in Besitz und Sicherheit festmacht.
Welche Spuren von erfülltem Leben hat Gottes Geist mir enthüllt? Und wie kann ich mich dafür stark machen, dass möglichst viele Menschen ein erfülltes Leben führen können? Wenn ich mir diese Fragen stelle, dann komme ich an dem Thema Nachhaltigkeit nicht vorbei.

Johannes 2,1-11

Exegetische Vorbemerkung

Die Erzählung von der Hochzeit in Kana ist das erste der insgesamt sieben Zeichen innerhalb des ersten Teils (Kap 1-12) des Johannesevangeliums. Die Zeichen werden in erster Linie im Sinne des Offenbarungsgeschehens erzählt: Jesus ist der von Gott gesandte Sohn, dessen Auftrag darin besteht, Gottes entschlossene und von jeher wirksame Liebe zu bezeugen (im Anfang…), die sich über die Zeit – somit auch im und über den Tod hinaus – erstreckt.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Das vorliegende Evangelium bietet zahlreiche und vor allem sehr bildhafte Anknüpfungspunkte. Es lohnt sich, diese Bilder als solche auszuschöpfen und nicht übermäßig zu theologisieren.
Die Situation ist brenzlig und für den Gastgeber möglicherweise hochpeinlich: bei der Hochzeit, dem Fest des Lebens und der Liebe, droht der Wein auszugehen. Der Wein steht hier sinnbildlich für den Lebensfluss, für die Quelle der Geselligkeit. Die Vorräte sind aufgebraucht, die Ratlosigkeit groß. Das kenne ich vermutlich auch aus meinem Leben: die Kraft ist verbraucht, die Ideen auch, denkbare Lösungen sind nicht in Sicht. Und wir kennen diesen Zustand auch in Bezug auf die Nachhaltigkeitsthematik: die Fragen sind überkomplex, die Probleme zu vielschichtig und die Möglichkeit der einzelnen Akteur:innen sehr beschränkt. Es sieht nicht gut aus. Interessant beim Evangeliumstext: es gibt keine Schuldzuweisungen, die Situation ist, wie sie ist.

Eine Frau, Maria, ergreift Initiative. Das ist bemerkenswert. Im Kampf für Gerechtigkeit, ohne die es keine Nachhaltigkeit geben wird, ist das eine der Grundforderungen: stärkt die Frauen, hört auf die Frauen! Oft haben sie einen unverstellten Blick auf Situationen, oft denken sie weniger selbstbezogen, oft handeln sie entschlossener. Maria lässt sich auch von der ruppigen Antwort ihres Sohnes nicht aus der Ruhe bringen. Sie lässt sich nicht auf diesen „Nebenschauplatz“ ein und behält die Situation im Blick. „Was er euch sagt, tut!“ weist sie die Diener an.

Die Aufgabe für die Diener ist lösbar. Mit Wein können sie nicht dienen, Wasser geht. Es wird nichts Unmögliches von ihnen verlangt, aber das Mögliche muss auch getan werden: „Füllt die Krüge bis zum Rand!“ Es muss angepackt werden, Passivität ist keine Option. Der Ausgang bleibt jedoch ungewiss, die Lösung liegt (noch) nicht auf der Hand.

Überhaupt wird der Moment der Wandlung nicht ausdrücklich benannt. Wird das Wasser schon beim Füllen der Krüge zu Wein? Oder erst, wenn die Krüge randvoll sind? Oder erst als die Diener den Wein ausschenken? Die Lösung bleibt im Verborgenen, sie lässt sich weder herstellen noch festhalten. Deckt sich das nicht auch mit meiner Erfahrung von durchgestandenen Krisenzeiten? Ich habe das meine dazu getan ohne zu wissen, ob es reichen wird. Es hat gereicht, warum und wie genau weiß ich nicht. Hier passt das alte Wort: es bleibt eine Erfahrung von Gnade.
Vielleicht geht es uns in den großen gesellschaftlichen Fragen ähnlich. Wir können, wir müssen das Unsere tun. Wir müssen für soziale Gerechtigkeit kämpfen und uns für Respekt gegenüber der Schöpfung einsetzen. Das Leben auf unserer Erde ist bedroht. Im übertragenen Sinn: wir müssen die Krüge füllen, bis zum Rand. Und dann bleibt uns nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass Gott unsere menschlichen Bemühungen so vollenden wird, dass auch unsere Kinder und Enkel auf dieser Erde gut leben können.    

Nico Körber, Speyer