26.o5.24 – Trinitatis / Dreifaltigkeitssonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Eph 1,3-14 Dtn 4, 32-34.39-40 Röm 8, 14-17 Mt 28, 16-20

Eph 1,3-14

Anmerkungen zum Text

Der Epheserbrief des Paulus beginnt mit einem hymnischen Lobpreis Gottes. ÜberschwĂ€nglich wird Gott dafĂŒr gepriesen, dass er den Getauften das Heil durch die Gemeinschaft mit Christus geschenkt hat. In komprimierter Form wird dieses durch Christus vermittelte Heil beschrieben und besungen. AuffĂ€llig ist, dass der Text zwischen „wir“ und „ihr“ unterscheidet. Mit „wir“ sind wohl die Judenchristen gemeint. Jene Christen also, die aus dem Judentum zum Glauben an Christus gekommen sind und zu denen auch Paulus sich zĂ€hlt. Ihnen gegenĂŒber stehen die Heidenchristen („ihr“), die sich vom heidnischen Glauben zum Christentum bekehrt haben. Beide zusammen bilden nun jedoch die von Gott gewollte christliche Gemeinde.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

„Vorherbestimmt“ ist vielleicht das zentrale Wort dieser Perikope. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Gedanken des Paulus. Die ChristglĂ€ubigen waren fĂŒr ihn bereits vor aller Zeit von Gott gewollt, als Erben seines Heils bis hin zur Erlösung am Ende der Zeit. In diesem erweiterten Sinne erscheint Gottes Heilshandeln absolut nachhaltig. Im engeren Sinne einer ökologischen und ökonomischen Bedeutung lĂ€sst sich Nachhaltigkeit in dieser Perikope sicher nur schwer thematisieren. Bedenkenswert in einer Predigt wĂ€re aber, dass das Heil ja nicht einfach wie ein Regenschauer ĂŒber die Christen kommt. Es ist ihnen zugesagt und geschenkt. Erfahrbar werden kann es jedoch nur im konkreten Leben jeder Christin und jedes Christen. In der Weise etwa, wie Christen leben, lieben und hoffen. Wie sie ausstrahlen in diese Welt. Es liegt also auch an den GlĂ€ubigen, Gottes nachhaltigen Heilswillen in ihrem Leben zu bezeugen und weiterzutragen.

Dtn 4,32-40

Anmerkungen zum Text

Das fĂŒnfte und letzte Mosebuch enthĂ€lt vor allem Reden und Anweisungen des Mose und endet mit seinem Tod. Den inneren Kern des Buches (Kap. 12-26), der zahlreiche Gesetze und Bestimmungen enthĂ€lt, hat man quasi mit einem doppelten Rahmen umgeben und zu diesem Rahmen gehört auch das vierte Kapitel. Es ermahnt das Volk Israel und erinnert noch einmal eindrĂŒcklich daran, wem es seine ErwĂ€hlung unter den Völkern verdankt.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Vorrangig bezieht sich der Text darauf, die Einzigartigkeit des Volkes Israel unter den Völkern zu betonen. AuffĂ€llig ist aber, dass ihm Naturerscheinungen dafĂŒr als Hintergrund dienen. Erde und Himmel, all die „Zeichen und Wunder“, die sich in der Natur entdecken lassen, alles weist ja auch hin auf die erhabene GrĂ¶ĂŸe Gottes. Diese freilich lĂ€sst sich in seiner Schöpfung nur entdecken und bestaunen, wenn man auch offen dafĂŒr ist, die Wunder und die Schönheit dieser Schöpfung bewusst wahrzunehmen. Ein besonderes AuserwĂ€hltsein wird man daraus heute kaum mehr ableiten können. Die Schöpfung hingegen als Ort der Gotteswahrnehmung und Gottesbegegnung könnte ein interessanter Predigtaspekt sein. Der Prediger/die Predigerin könnte etwa beispielhaft davon sprechen, wo und wie er/sie selbst die Schöpfung erlebt und Gottes Gegenwart in ihr erfĂ€hrt.

Röm 8,14-17

Anmerkungen zum Text

Den Römerbrief hat man auch als „Testament“ des Paulus bezeichnet. Zur Gemeinde in Rom, die nicht von ihm gegrĂŒndet wurde, hatte Paulus bis dahin keinen Kontakt. Er brauchte sie jedoch fĂŒr seine weiteren MissionsplĂ€ne im Westen des römischen Weltreichs. So könnte der Brief als erste „Kontaktaufnahme“ zu den Christen in Rom gelesen werden. Wie eine Art persönliche „Visitenkarte“ legt Paulus der Gemeinde dort ausfĂŒhrlich dar, worin seiner Meinung nach die Grundwahrheiten des Christentums bestehen. Sein Thema am Beginn des achten Kapitels ist die Aussendung des Gottesgeistes an die Menschen und was sie fĂŒr die Christinnen und Christen bedeutet.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Der Knechtschaft, die hier mit Unfreiheit, Angst und AbhĂ€ngigkeit assoziiert wird, stellt der Text die Kindschaft gegenĂŒber. Als Kind kann sich der Mensch nicht nur vertrauensvoll an den Vater/die Mutter wenden. Er ist auch deren natĂŒrlicher Erbe. Mit einem Erbe ist im besten Fall aber auch die nachhaltige Bewahrung, etwa von familiĂ€ren Werten und Traditionen, verbunden. Was das im Bezug auf Gott bedeuten könnte, als dessen Erben sich die Christen und Christinnen ja sehen sollen, ließe sich in einer Predigt ausfalten. Zwei mögliche Punkte dabei könnten etwa sein:

  • Gott wollte ganz offenbar die Vielfalt und Buntheit seiner Schöpfung. Als Erben sollten wir uns in unserm Umgang mit der Natur an diesem Willen orientieren und uns entsprechend dafĂŒr einsetzen. Als Stichworte seien genannt: Die Artenvielfalt, aber auch die VielfĂ€ltigkeit unserer Gesellschaft)
  • Jesus hat MaßstĂ€be fĂŒr das soziale Miteinander gesetzt (Vergebung, Wahrhaftigkeit etc.). Als „Miterben Christi“ können und sollten auch wir uns in unsere Lebenspraxis an diesen MaßstĂ€ben ausrichten.

Mt 28,16-20

Anmerkungen zum Text

Wenn das Ende des Markusevangeliums (Mk 16,9-20) ein spĂ€ter Nachtrag ist, der erst im zweiten Jahrhundert ans Evangelium angehĂ€ngt wurde, dann kennt wohl keines der vier Evangelien einen so expliziten Missionsauftrag wie das MatthĂ€usevangelium. AusdrĂŒcklich weitet das MatthĂ€usevangelium am Ende den Blick ĂŒber Israel hinaus auf die ganze damals bekannte (heidnische) Welt. Jesus selbst erteilt seinen JĂŒngerinnen und JĂŒngern diesen Auftrag. Interessant erscheint die Abfolge Taufe – Lehre. Durch die Taufe werden Menschen zunĂ€chst Teil der Christengemeinschaft. Erst in der Lebenspraxis geschieht dann das tiefere Durchdringen der Lehre und was sie fĂŒr das eigene Leben bedeutet.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Gott ist so etwas wie ein Meister der Nachhaltigkeit. Er möchte nicht nur, dass seine Schöpfung besteht. Er möchte auch, dass es ihr gut ergeht. Kurz gesagt: Gott möchte ihr Heil. FĂŒr Christen kulminiert dieser göttliche Heilswille darin, dass er sein Wort in die Welt sendet (vgl. Joh 1), Mensch geworden in Jesus aus Nazareth. Seine JĂŒngerinnen und JĂŒnger sollen nun Mitwirkende an diesem nachhaltigen Heil sein, sollen Gottes Heilsangebot der Welt bekannt machen. Sie sollen so leben, sollen so begeisternd und attraktiv sein, dass Menschen Teil der großen christlichen Gemeinschaft werden wollen. Doch sind die Christinnen und Christen das? Gelingt also der Missionsauftrag ĂŒberhaupt noch? Wenn nicht, woran liegt es? Und wo erfĂ€hrt der Prediger/die Predigerin, dass der Auferstande da ist mit seinem Geist? Eine Predigt könnte z.B. diesen Fragen nachgehen.

Martin Wolf, Bistum Speyer

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